Die einfache Lösung gibt es nicht
26.09.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Denken wir zwei Jahre zurück: Nach den Ende des Neun-Euro-Tickets hat der VDV eine dauerhafte Nachfolgeregelung vorgeschlagen: Ein landesweit gültiges Ticket für 49 Euro im Monat, bundesweit gültig für 69 Euro im Monat. Die Branche wäre zum 1. September 2022 startklar gewesen, sie wäre es zum 1. Januar 2023 gewesen und weil die Politik, insbesondere die zähen Dauerverhandlungen zwischen Bund und Ländern, nicht vorangekommen sind, hat es bis zum 1. Mai 2023 gedauert.
Schon damals war klar, dass es mit der Zeit teurer wird, es war sogar mal von einem „Markteinstiegspreis“ von 49 Euro die Rede. Bei 13 Millionen Deutschlandticket-Inhabern sind neun Euro Preissteigerung am Ende eine Mehreinnahme in zehnstelliger Höhe pro Jahr. Die Frage ist aber in der Tat, ob die Preiserhöhung zu einem Schwund führen wird, weil es mit Sicherheit auch Leute gibt, die das Deutschlandticket nicht täglich nutzen und nur „für alle Fälle“ gerne auf dem Smartphone haben.
Wir dürfen ja auch nicht vergessen, dass moderne Abrechnungssysteme ohnehin bei 49 Euro (demnächst bei 58 Euro) gekappt sind, sodass man bei einer hohen Inanspruchnahme auf den Preis des Deutschlandtickets kommt und bei einer nicht so hohen Inanspruchnahme weniger bezahlt. Doch unabhängig von den neun Euro Kostensteigerung im Monat brauchen wir auch die langfristige Finanzierungssicherheit. Das wird man für das Jahr 2026 auch nicht erst mit möglichen Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl im nächsten Herbst machen können, sondern das muss vorher passieren
Die Verkehrsverbünde und -unternehmen brauchen Planungssicherheit. Dabei gibt es ein Narrativ, das doch merkwürdig erscheint. Nein, die Mindereinnahmen beim Deutschlandticket fehlen nicht für die Bestellung zusätzlicher Zugleistungen. Wir erleben überall in der Republik Fahrtausfälle wegen Personalmangel: Sei es dass die Lokomotivführer nicht da sind, dass Stellwerke wegen fehlender Fahrdienstleiter unbesetzt sind oder auch Wartungsrückstände wegen zu wenigen Mechatronikern.
Das sind so grundlegende Probleme, dass man diese nicht einfach mit „mehr Geld“ lösen kann, sondern hier müssen Strukturen aufgebaut und langfristig erhalten werden, die man nicht herbeizaubern kann. Man muss sich daher auch ernsthaft die Frage stellen, ob die Eisenbahn und andere öffentliche Verkehrsmittel überhaupt in der Lage sind, nennenswert zusätzliche Fahrgäste aufzunehmen oder ob man nicht primär an der Verstetigung des Angebotes und an der Rückkehr zu den Normalfahrplänen arbeiten sollte, auch auf die Gefahr hin, dass Neukunden erst einmal wegbleiben.
Gehen wir davon aus, dass die Mehreinnahmen aus der Preiserhöhung in die Infrastruktur investiert werden. Das hieße ein noch höheres Baustellenaufkommen im Netz. Man bräuchte mehr Ersatzverkehre und hätte mehr Sperrungen und das in einer Zeit, wo auch Baumaschinen und Baustoffe Mangelware sind. Man kann es also drehen und wenden wie man will, eine einfache Lösung gibt es leider nicht.
Siehe auch: Deutschlandticket: 58 Euro ab Januar
Foto: Deutsche Bahn AG / Mathias Oestreich