Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

  • Schlagwörter

Das Kerngeschäft muss sich definieren

19.09.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Nach dem Verkauf von Arriva folgt nun Schenker. Es ist also nicht mehr zu leugnen, dass die DB AG sich tatsächlich auf den inländischen Eisenbahnmarkt konzentrieren möchte. Wenn man sich aus ordnungspolitischer Sicht ansieht, was denn Aufgabe der deutschen Staatseisenbahn ist, dann ist das wohl auch richtig. Es ist nicht Aufgabe eines deutschen Staatsbetriebs innerchinesischen Lastwagenverkehr zu betreiben.

Wir haben in Deutschland zuletzt erlebt, dass sowohl die französische als auch die niederländische Staatseisenbahn den hiesigen SPNV-Markt verlassen haben, während die DB AG ebenfalls im ausländischen Personenverkehr nicht mehr aktiv ist. Wobei man sich schon die Frage stellen muss, wie es mit internationalem Schienengüterverkehr aussieht oder mit Schienengüterverkehr in anderen Ländern, der keinen Bezug zu Deutschland hat.

Um beim Beispiel der Niederländer zu bleiben, die frühere Güterverkehrstochter der niederländischen Staatseisenbahn heißt heute DB Cargo NL – ja, die Niederländer betreiben überhaupt keinen staatlichen Güterverkehr mehr auf der Schiene. Man ist dort der grundsätzlichen Auffassung, dass es nicht Sache der Staates ist, Güter zu speditieren, weder auf der Straße, noch auf der Schiene oder auf Wasserwegen. Ob wir auch im Güterverkehr auf der Schiene einen solchen Schritt erleben, darf aber bezweifelt werden, denn die sogenannte „integrierte Konzernstruktur“ steht ja nicht ernsthaft zur Debatte.

Dabei ist der Konzern ein Problemkind sondergleichen, die Monopolkommission hat im letzten Jahr sogar den Begriff „Sanierungsfall“ in den Mund genommen. Jetzt kann man den Schuldenstand kurzfristig senken und damit auch die Zinskosten, aber das macht das Geschäftsmodell insgesamt nicht tragfähig. Auch wenn der Gewinn bei Schenker zuletzt gesunken ist, so hat das Unternehmen doch Geld verdient – im Gegensatz zum Kerngeschäft. Die Infrastruktur ist marode und wurde über Jahrzehnte auf Verschleiß gefahren.

Es wurde zu viel abgebaut und zu wenig aufgebaut. Der Fernverkehr war über Jahre hinweg ein großes Streichkonzert und auch die Versuche, flächendeckend Alimentierungen aus Regionalisierungsgeldern zu akquirieren sind weitgehend gescheitert. Wo also will diese Bahn hinfahren und was wollen wir mit diesem integrierten Konzern? In dieser Legislaturperiode hat man die alte DB Netz AG in die vermeintlich gemeinwirtschaftliche DB InfraGo umgewandelt. Aber auch wenn so ein Halbanglizismus viel fortschrittlicher klingt, so gab es doch zuletzt erhebliche Zweifel am Erfolg dieser Transformation.

Wir haben noch immer große europäische Staatseisenbahnen im hiesigen Markt: Etwa die Italiener oder neu die Österreicher. Es gibt auch aber auch rein private Akteure, zu nennen sind etwa Benex (jetzt mit Abellio) und National Express. Viele Bundesländer haben eigenen Landesbahnen und verlassen sich nicht auf die große Bundes-Bahn AG. Wir brauchen einen neuen großen Wurf, eine Fortschreibung der Eisenbahnreform, unabhängig von der wechselnden Farbenlehre im Bundeskabinett.

Siehe auch: Schenker-Verkauf beschlossen
Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

Kommentare sind geschlossen.