BaWü: SPNV-Qualität ist gesunken
27.06.24 (Baden-Württemberg) Autor:Stefan Hennigfeld
In Baden-Württemberg wurde letzte Woche der aktuelle Qualitätsbericht für den SPNV vorgestellt: Ergebnis: Die Qualität hat sich im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert. Das 2021 gestartete Qualitätsranking informiert darüber, wie sich die Betreiber der 32 Schienennetze im Land hinsichtlich der Betriebsqualität schlagen und macht regionale Vergleiche möglich. In den Ergebnissen wird eine Vielzahl verschiedener Daten kombiniert. So besteht die Gesamtbewertung aus fünf Einzelkriterien: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Gesamtzufriedenheit der Fahrgäste gehen mit einer Gewichtung von jeweils 25 Prozent in das Ranking ein. Darüber hinaus fließen Bewertungen der Zugkapazität mit 15 Prozent und die Sauberkeit mit zehn Prozent in die Gesamtberechnung ein.
Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne): „Die Qualität im Schienenpersonennahverkehr ist bedauerlicherweise weiterhin auf Talfahrt. Unser Qualitätsranking des Landes zeigt schonungslos: Ein indiskutables Baustellenmanagement der Deutschen Bahn (DB) InfraGo, ein überaltertes und marodes Schienennetz, zu wenig Personal sowie Züge, die regelmäßig nicht oder mit weniger Sitzplätzen als geplant und vom Land bestellt verkehren – all das macht den Fahrgästen massiv zu schaffen. Und das muss dringend besser werden. DB InfraGo muss die zweifellos notwendigen Bauarbeiten erheblich früher kommunizieren, damit sich die Bahnunternehmen darauf einrichten können. Diese wiederum müssen dringend dafür sorgen, dass die Züge zuverlässig und mit der vertraglich vereinbarten Kapazität fahren.“
Den ersten Platz belegen – unangefochten seit dem Start des Rankings – die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) im Netz Klettgau zwischen Erzingen und Schaffhausen. Ebenfalls unverändert zum ersten Halbjahr 2023 auf dem zweiten Platz steht die Schwäbische Albbahn (SAB), die die Albbahn mit den Linien Amstetten-Gerstetten und Ulm-Gammertingen betreibt. Es lässt sich sogar eine leichte Steigerung erkennen, die vor allem durch einen Anstieg der Zuverlässigkeit erreicht wurde.
Nicht nur Gold, sondern auch Bronze geht an die SBB Deutschland: Auf dem dritten Platz landet der Rhyhas zwischen Schaffhausen und Singen, der ebenfalls von den SBB betrieben wird. Nach dem Betreiberwechsel im zweiten Halbjahr 2022 konnten 17 Plätze gutgemacht werden. Dies geht vor allem auf eine positive Entwicklung bei der Pünktlichkeit, der Gesamtzufriedenheit und insbesondere der Zuverlässigkeit des neuen Betreibers zurück. Im aktuellen Ranking schaffen bei 32 bewerteten Netzen nur noch zwölf Verkehrsnetze mehr als fünfzig Bewertungspunkte. Das schlechteste Netz, die von DB Regio betriebene Regionalbahn zwischen Basel und Lauchringen, schafft es auf gerade einmal 2,5 von 100 Punkten.
Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2023 hat DB Regio auf der Schwarzwaldbahn die meisten Punkte gut gemacht und konnte sich von Platz 31 auf den 18. Rang verbessern. Zuverlässigkeit und die Zugbildung wurden deutlich verbessert. Entscheidend dafür war, dass eine Lösung für die zeitweise ungewöhnlich starke Abnutzung der Radsätze auf der kurvenreichen Strecke gefunden wurde. Schmerzlich ist insbesondere der Einbruch der Zuverlässigkeit im Erms- und Ammertal.
DB Regio konnte im zweiten Halbjahr 2023 teilweise nur noch weniger als die Hälfte aller Fahrzeuge betriebstauglich vorhalten. Da sich auch weitere Qualitätskriterien verschlechterten, rutschte das Netz „Erms- und Ammertalbahn“ von Platz zwölf auf den 23. von insgesamt 32 Plätzen. Die Tendenz zum vorangegangenen Halbjahr ist im Durchschnitt um 6,63 Wertungspunkte schlechter. Davon entfällt ein Minus von 3,19 Wertungspunkte auf die Pünktlichkeit. Gründe dafür sind die schlechtere Pünktlichkeit des Fernverkehrs, der Vorrang vor dem Nahverkehr hat und seine Verspätungen auf den Regional- und Nahverkehr überträgt, das stark erhöhte Baustellenvolumen und die oft mangelhafte Abstimmung zu Baustellen seitens des Infrastrukturbetreibers.
Die Zuverlässigkeit sank um durchschnittlich 1,61 Wertungspunkte. Die Ursache dafür sind die Probleme bei der Instandhaltung und Instandsetzung der Fahrzeuge sowie der Personalmangel. Die übrigen Werte sind nur leicht rückläufig. Begleitend gibt es einen Aktionsplan Qualität, der die Situation der Fahrgäste grundlegend verbessern soll. Über das Fachkräftebündnis unterstützt das Land die Branche, um mehr Arbeitskräfte für eine Tätigkeit im ÖPNV-System zu gewinnen und auch langfristig zu halten.
Siehe auch: Die Mangelwirtschaft in der Eisenbahnkrise