UK: Kritik an Ramadan-Anzeige
25.03.24 (Bayern) Autor:Stefan Hennigfeld
Der mohammedanische Fastenmonat Ramadan läuft im Jahr 2024 noch bis zum 9. April. Ein Mitarbeiter des staatlichen britischen Infrastrukturunternehmens Network Rail nahm dies offenbar zum Anlass, Hadith-Verse in die Fahrgastinformationsanzeigen im Londoner Bahnhof King’s Cross einzuspeisen. In sozialen Medien wurden Fotos geteilt, nach denen neben mohammedanischen Gebetszeiten auch ein „Hadith des Tages“ angezeigt wurde.
Dieser lautete an Tag 9 wie folgt: „Der Prophet Mohammed (Friede sei mit ihm) sagte: Alle Söhne Adams sind Sünder, die besten Sünder sind aber jene, die oft Buße tun“. Bei Hadithen handelt es sich um Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des islamischen Propheten Mohammed. Kritik gab es nicht nur von konservativer Seite wie dem ehemaligen Chef der Brexit-Partei Nigel Farage, sondern auch von liberalen Stimmen.
So erklärte der Vorsitzende der britischen National Secular Society (NSS), Stephan Evans: „Bestenfalls war dies ein gut gemeinter, aber fehlgeleiteter und kontraproduktiver Versuch, inklusiv zu sein.“ Zwar schätzten Briten im Allgemeinen Religionsfreiheit, anders sei es aber, wenn man die Religion anderer aufgezwungen bekäme. „Ich denke nicht, dass sie als Sünder bezeichnet werden möchten, wenn sie einen Zug erwischen“, so Evans weiter. „Solche Gesten suggerieren Bevorzugung, generieren Abneigung und unvermeidbarerweise Forderungen von anderen Religions- und Identitätsgruppen nach gleicher Anerkennung.“
Religiöse Neutralität sei der beste Weg, eine harmonische Gesellschaft aufrechtzuerhalten, die alle Menschen unabhängig von Glauben und Hintergrund respektiere. Am 19. März verteidigte Network Rail die Anzeigen gegenüber dem Londoner „Evening Standard“ noch mit dem Verweis auf eine „vielfältige und multikulturelle Belegschaft“ am Bahnhof King’s Cross, das „Feiern der Vielfalt und Inklusivität zu Zeiten religiöser Erheblichkeit“ und darauf, dass der Bahnhof auch andere Feste wie Ostern, Weihnachten, Pessach und Diwali feiere.
Wenige Tage später der Rückzug. Network Rail erklärte, dass die Hadithe „nicht genehmigt“ gewesen seien und die Benutzung der Informationsanzeigen „nicht richtig“ war, da sie für Fahrgastinformation reserviert bleiben sollten. Network Rail wolle nun prüfen, wie und wo man am Bahnhof King’s Cross in Zukunft mit besonderen Anlässen umgehen wolle. Bereits im Januar erzeugte Network Rail, welches mehrere Fernbahnhöfe im Großraum London bewirtschaftet, mit einem „Pride Pillar“ im Bahnhof London Bridge Schlagzeilen.
In Zusammenarbeit mit dem internen queeren Vielfaltsnetzwerk Archway wurde ein Teil des Bahnhofs mit Flaggen dekoriert, die verschiedene sexuelle Identitäten repräsentierten. Die britische Zeitung Daily Mail berichtete von Projektkosten von 3.537 Pfund Sterling, was etwa 4.100 Euro entspricht. Genderkritische Feministinnen organisierten einen Protest im Bahnhof gegen die nach ihrer Ansicht ideologische Installation.
Foto: National Secular Society