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Es muss etwas passieren, um Personal zu halten

19.02.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Auch wenn auf Nachfrage niemand genaue Zahlen haben will, wie es sich denn mit der Kündigerquote bei Quereinsteigern im Eisenbahnberuf verhält, so bleibt doch festzustellen, dass die Leute in jedem Fall Alternativen haben. Nur noch wenige kommen aus einer Arbeitslosigkeit und selbst die können angesichts der heutigen Lage auf dem Arbeitsmarkt beruhigt sein: Wenn es bei der Eisenbahn partout nicht klappt, dann schreibt man einfach Bewerbungen und wird relativ schnell etwas anderes kriegen.

Die Verringerung der Kündigerquote ist genauso wichtig wie die Personalakquise selbst und wenn man sich mit dem einen oder anderen Branchenakteur unterhält, dann merkt man auch, dass diese Erkenntnis angekommen ist. Die Leute sind nicht mehr um jeden Preis auf diesen einen Eisenbahnjob angewiesen, sondern es gibt jede Menge Alternativen. Es gilt also, die Belastung zu senken.

Und das hat nichts mit Vorurteilen über die junge Generation zu tun, denn die zwischen 1990 und 2004 geborenen Leute sind nicht fleißiger und nicht fauler als frühere Arbeitnehmer. Aber sie erleben im Vergleich zur Situation von vor zehn oder zwanzig Jahren eine deutlich höhere Belastung im Beruf. Das gilt im übrigen auch für ältere Eisenbahner, die schon lange dabei sind oder vor ein paar Jahren im Rahmen einer beruflichen Umorientierung den Einstieg gefunden haben.

Auch die sind belastet, wenn sie z.B. ihre Pause aufgrund von Baustellensperrungen und angepassten Umlaufplänen im Zug verbringen müssen, weil sie gerade nicht an den Sozialräumen ihrer Einsatzstelle sind. Können Sie sich vorstellen, dass eine Kassiererin im Rewe oder Edeka ihre Pause in der (geschlossenen) Kasse verbringen muss, weil es keine anderen Aufenthaltsmöglichkeiten gibt? Betriebsräte und Gewerkschaften würden zurecht Sturm laufen und sagen: So geht es nicht!

In der Eisenbahn ist es aber oftmals so und da braucht man neben einer angemessenen und auskömmlichen Bezahlung auch Arbeitsbedingungen, die die Arbeitskraft langfristig erhalten. Wir sehen ja an den Krankenständen, die schon 2022 hoch waren und 2023 nochmal weiter gestiegen sind, dass es offensichtlich ein Problem gibt. Gleichzeitig aber werden die Arbeitnehmer immer älter.

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen man jemanden mit 58 in den Vorruhestand geschickt hat, oftmals sind die Leute in den 1990er und frühen 2000er Jahren noch früher aus dem Arbeitsleben ausgetreten. Auch die DB AG hat unter Hartmut Mehdorn mit freundlicher Unterstützung des Bundeseisenbahnvermögens jede Menge Beamte in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Das ist heute anders, aber es bedeutet auch, dass ein Lokomotivführer oder Fahrdienstleiter bis 67 und vielleicht sogar länger durchhalten muss.

Also gilt es die Arbeitskraft zu schützen, wenn das Arbeitsleben bis in ein Alter dauern soll, in dem frühere Generationen längst im Park spazieren gegangen sind. Deshalb sind derartige Abschlüsse genau das richtige, um die Eisenbahn als attraktiven Arbeitgeber für gut ausgebildete qualifizierte Leute aufzustellen.

Siehe auch: GDL schließt weitere Tarifverträge ab
Foto: Eurobahn / C. Köster

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