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Ein neues Sommermärchen schreiben

22.01.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Ein Kind, das während des Sommermärchens 2006 geboren wurde, wird anlässlich der Europameisterschaft volljährig. Ist das wirklich schon so lange her? Ja, ist es, die Zeit vergeht. Vor 18 Jahren war die Welt zu Gast bei Freunden und Deutschland hat sich als herzlicher Gastgeber und gezeigt. Es hat unserem Ansehen in der Welt damals einen großen Schub gegeben.

Der einzige Wermutstropfen war, dass Italien Weltmeister geworden ist und Deutschland Turnierdritter. Es sollte noch weitere acht Jahre dauern, bis die Generation um Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger in Brasilien Weltmeister geworden ist. Nun wäre ich was den sportlichen Erfolg Deutschlands betrifft angesichts des Zustandes unserer Mannschaft nicht ganz so optimistisch. Tatsächlich kann man wohl von Glück sprechen, dass das DFB-Team sich nicht qualifizieren muss, denn vor dem Hintergrund der jüngsten Ergebnisse wäre man daran sehr wahrscheinlich gescheitert.

Das ändert aber nichts daran, dass wir alle die Gastgeber sind, vor allem neben dem Feld. Als wir 2006 die Weltmeisterschaft hier hatten, hat die Eisenbahn noch weitgehend funktioniert. Notfahrpläne wegen Personalmangel waren ebenso unbekannt wie unbesetzte Stellwerke oder Wartungsrückstände. Natürlich gab es Verspätungen und auch damals schon Probleme, aber doch in einem viel geringeren Ausmaß.

Zur Erinnerung: Es ist gerade mal elf Jahre her, im Sommer 2013, da war der Fahrdienstleitermangel im Mainzer Hauptbahnhof ein bundesweiter Skandal. Heute sind unbesetzte Stellwerke normaler Alltag in der Eisenbahnbranche, oft auch nur mit sehr kurzem Vorlauf. Umso größer wird die Herausforderung für die Europameisterschaft im Sommer. Hier muss man wirklich sicherstellen, dass die Eisenbahn funktioniert.

Allgemeine Urlaubssperren in den Unternehmen dürften da noch das kleinste Probleme sein, sondern wie sprechen davon, dass Gäste dieses Turniers nicht am massenhaft am Bahnsteig stehen und auf den Zug warten. Natürlich werden die meisten Stadionbesucher mehr Zeit einplanen, das sollten sie auch angesichts der Zustände bei der deutschen Eisenbahn. Dabei sind wir gerade in tariflichen Fragen deutlich weitergekommen.

Ob das Deutschlandticket noch existieren wird, ist derzeit nicht bekannt, aktuell ist es nur bis Ende April durchfinanziert. Es ist aktuell eine reine Verhandlungsmasse zwischen Bund und Ländern, zwischen Regierung und Opposition. Es kann schon ab Mai deutlich teurer werden oder auch über die Sommermonate – also dann während der Europameisterschaft – komplett ausgesetzt werden.

Dafür haben wir aber die Smartphone-Tarife, die 2006 noch völlig unbekannt waren. Zur Erinnerung: Das erste iPhone ist erst 2007 auf den Markt gekommen. Mit dem eigenen mobilen Endgerät ist es für Besucher, auch aus dem Ausland, deutlich einfacher, sich seine Zugfahrscheine zu buchen. Deshalb sollten wir Optimismus walten lassen und uns auf den Sommer freuen. Vielleicht wird das Ergebnis ja auch sportlich besser als erwartet, denn Deutschland ist eine Turniermannschaft.

Siehe auch: NRW stellt ÖPNV-Taktik für die Europameisterschaft vor
Foto: ChaosSoccerGear

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