Die Unternehmenskultur überdenken
08.01.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Schon in früheren Zeiten, als die Kontrahenten noch Hartmut Mehdorn und Manfred Schell hießen, hatte man den Eindruck, dass die DB AG dazu neigt, gegen die unliebsame GDL übermäßig oft zu prozessieren. In aller Regel hat das auf beiden Seiten Ressourcen gebunden und war kostspielig, aber große Erfolge hat die DB AG daraus nie gezogen.
Selbst als man versucht hat, bei allen Arbeitsgerichten Deutschlands gleichzeitig eine einstweilige Verfügung gegen drohende Streiks zu beantragen, war man meistens erfolglos. Prozesshansel sagte man damals und der Eindruck, dass es hier wieder in die ähnliche Richtung läuft, ist naheliegend. Sollte die DB AG vor Gericht damit durchkommen, wäre das wohl das Ende der GDL. Es scheint aber fraglich, ob das so ist und auch das ist bei Prozessen eine altbekannte Taktik der DB AG: Dass man Rechtsgutachten aus dem Hut zaubert, die man selbst beauftragt und finanziert hat.
Es gab sogar in der Vergangenheit Rechtsgutachten, die so „um die Ecke“ beauftragt worden sind, dass die DB AG zwar der Geldgeber war, allerdings war dies so ohne weiteres von außen nicht ersichtlich. Es spricht also wenig dafür, dass die DB AG es nicht wieder so versucht und wieder Geld ausgibt für Juristen, um vor Gericht entsprechende Gutachten vorzulegen. Für einen Konzern, den der Bundesrechnungshof zuletzt als Sanierungsfall bezeichnet hat und für den in den kommenden Jahren Kredite zu einer deutlich teureren Anschlussfinanzierung anstehen dürften solche Aktionen wenig empfehlenswert sein.
Viel eher sollte man sich tatsächlich auf das Kerngeschäft oder wie man immer sagt, das „Brot- und Buttergeschäft“ im deutschen Heimatmarkt konzentrieren und dafür sorgen, dass die Leistungen wieder besser werden. Welches Konzept hat man denn, dem Mitarbeitermangel entgegenzuwirken? Wie möchte man Massenkündigungen innerhalb einer laufenden Verrentungswelle verhindern? Es ist natürlich verständlich, dass der Arbeitgeber, der ohnehin Personalmangel hat, sich in Tarifverhandlungen nicht auf kürzere Fristen bei Arbeitnehmerkündigungen einlassen möchte, wie die GDL es derzeit fordert.
Aber nachdem der Netinera-Konzern jüngst einen erfolgreichen Abschluss mit der GDL hingekriegt und die geforderte Arbeitszeitverkürzung weitgehend eingeführt hat, ist es natürlich naheliegend, dass die Leute z.B. am Standort Hannover bei DB Regio kündigen und zum Metronom gehen. Anstatt absurde Prozesse zu führen sollte man sich lieber fragen, ob nicht der andere unternehmenspolitische Weg der bessere wäre, dass man sich nämlich als attraktiver Arbeitgeber aufstellt, auch in der Eisenbahnbranche.
Hat die Konzernkommunikation nicht bis vor kurzem noch regelmäßig behauptet, man sei der einzige Marktakteur, der überhaupt gute Löhne zahlt? Das ließe sich jetzt mit neuem Leben füllen: Wir sind der Branchenprimus, die Eisenbahner wollen bei uns arbeiten und unser Ziel ist es, ein besserer Arbeitgeber und damit auch ein besserer Akteur im Markt zu sein. Ein Umdenken in diese Richtung sollte ernsthaft geprüft werden.
Siehe auch: DB AG: Neue Klage gegen GDL
Bild: sergeitokmakov