Das war 2023!
18.12.23 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Noch bis Februar galt in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maskenpflicht, auch wenn das gefühlt schon Jahrzehnte her ist. Dafür haben wir seit dem 1. Mai endlich das Deutschlandticket – auch wenn wir nicht wissen, ob es vielleicht schon zum 30. April wieder abgeschafft oder zumindest stark verteuert wird. Einen ersten Ausstieg haben wir bereits: Der Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt wird es ab dem 1. Januar in seinen Bussen nicht mehr anerkennen. Zumindest Kommunen im verbundfreien Raum können mit einer einfachen Mehrheit in ihren Gremien offensichtlich den Ausstieg beschließen.
Ob das eine gute Nachrichten ist? Ich weiß ja nicht. Dabei hätte das Deutschlandticket bereits problemlos am 1. Januar, ja sogar am 1. September des letzten Jahres eingeführt werden können. Die Eisenbahnbranche war bereit, die Politik konnte sich nicht einigen. Lange Zeit war es die Verweigerungshaltung der Länder, die für Verzögerungen gesorgt hat. Jetzt wiederum ist der Bund nicht bereit, mehr Geld zu geben. Vielleicht drohen sogar schon 2024 geringere Regionalisierungsgelder, also weniger Bestellmittel für die Eisenbahnverkehre. Wir alle haben den Streit um den Bundeshaushalt verfolgt, der sich vor Weihnachten zu einer handfesten Regierungskrise ausgeweitet hat.
Doch stellen wir uns mal vor, wir laufen wirklich wieder in eine Situation unterauskömmlich finanzierter Aufgabenträger rein, so wie es damals nach dem Koch-Steinbrück-Papier war. Natürlich müssten schlimmstenfalls Zugleistungen abbestellt werden, aber in den 2000er Jahren hat die Eisenbahn im großen und ganzen noch funktioniert. Das ist heute nicht mehr der Fall.
Die Zugleistungen, die man heute abbestellen müsste, werden sowieso nicht mehr gefahren. Überall in Deutschland sind die Unternehmen auf Not- und Sonderfahrpläne umgestiegen. Im Eisenbahnverkehr ebenso wie im kommunalen Busverkehr. Die Idee dahinter: Wenn man schon branchenweit nicht genügend Kapazitäten hat, um den geforderten Soll-Fahrplan zu erfüllen, dann möchte man wenigstens Verlässlichkeit schaffen und ein reduziertes Angebot auf die Beine stellen, das dann verlässlich läuft.
Vor Weihnachten hat die Firma National Express klar angekündigt, dass sich bis auf weiteres auch nichts daran ändern wird. Die Belastung ist gerade durch die vielen Baustellen deutlich größer geworden und wenn die Mitarbeiter dann ihre Pausen im Zug machen müssen, dann steigt die Belastung so massiv, dass ein höherer Krankenstand die Folge ist.
Auch deshalb möchte die GDL eine verlässliche Fünf-Tage-Woche und eine Reduktion der Wochenarbeitszeit. Das mag vielleicht dafür sorgen, dass man kurzfristig nochmal mehr Leute braucht, aber es ist geeignet, um die Zahl der Kündigungen zu senken. Denn die Zeiten, dass ein Lokomotivführer um jeden Preis auf diesen einen Eisenbahnjob angewiesen ist, sind vorbei.
Die Themen bleiben also spannend und wir fragen uns: Was wäre das Leben ohne die Eisenbahn, diese einmalige Einrichtung menschlichen Wahnsinns? Am 8. Januar sind wir wieder für Sie da.
Foto: jorono