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DB AG testet digitale Instandhaltung

08.08.23 (München) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Deutsche Bahn verstärkt in ihren Werken den Einsatz digitaler Tools. Mit KI-gestützten Kameratoren, mobilen Robotern und digitalen Radsatzmessanlagen sorgt der Konzern für eine effizientere Instandhaltung und stellt sicher, dass die Züge schneller wieder für die Fahrgäste zur Verfügung stehen. Schon heute können so pro S-Bahn-Werk täglich bis zu 20 Stunden an zeitaufwendigen Routinearbeiten entfallen.

Das entlastet die Mitarbeitenden und schafft damit mehr Kapazitäten für die gezielte Instandhaltung der wachsenden Fahrzeugflotten. Digitalisierung, Automatisierung, der Einsatz Künstlicher Intelligenz und eine konzernweite Einstellungsoffensive sind für die Deutsche Bahn außerdem Mittel gegen den drohenden Fachkräftemangel. Das S-Bahn-Werk München-Steinhausen ist Pilotwerk für die digitale Instandhaltung bei DB Regio.

Dort präsentierten letzte Woche DB-Technik- und Digitalvorständin Daniela Gerd tom Markotten und Evelyn Palla, DB-Vorständin für Regionalverkehr, drei der digitalen Tools, die die Kapazitäten in der Instandhaltung auch in Zeiten knapper werdender Fachkräfte sicherstellen. Allein Münchens S-Bahn-Flotte wächst dieses Jahr um 16 auf 289 Fahrzeuge, sie werden zusätzlich im DB-Regio-Werk in Steinhausen gewartet.

Daniela Gerd tom Markotten, DB-Vorständin für Digitalisierung und Technik: „Pünktlichkeit beginnt im Werk. Die Digitalisierung der Instandhaltung ist deshalb zentral für eine erfolgreiche Verkehrswende. Wenn Tätigkeiten schneller und gezielter ausgeführt werden können, profitieren auch die Fahrgäste. Denn eine kürzere Instandhaltungszeit führt zu einer höheren Fahrzeugverfügbarkeit.“

Evelyn Palla, DB-Vorständin für Regionalverkehr: „Die Werkstatt in München ist die erste, in der wir die neuen digitalen Tools einsetzen. Wenn auch unsere anderen Metropol-S-Bahnen damit arbeiten, können wir künftig rund 400 S-Bahn-Züge eines einzigen Bautyps schneller warten – das sind mehr Züge, als es ICEs gibt. Davon profitieren dann jeden Tag zukünftig zwei Millionen Fahrgäste.“

Die vorgestellten digitalen Tools greifen in drei Bereichen: Eine KI untersucht Bilder, die bei Zugfahrten durch ein Kamerator aufgenommen werden, auf Schäden und Unregelmäßigkeiten am Zug, die Laser-Anlage misst die Profilwerte der Radsätze und der Roboter inspiziert die Züge von unten. Damit ergibt sich ein detailliertes Gesamtbild des Fahrzeugzustandes und des Instandhaltungsbedarfs. Die Mitarbeiter im Werk wissen künftig dank der Auswertungen genau, wo sie Hand anlegen müssen und können sich gezielt den notwendigen Arbeiten zuwenden.

Zeitfressende Routineaufgaben entfallen, etwa die Inspektion der Zugdächer. Die Sichtprüfung des gesamten Fahrzeugs dauert mit dem menschlichen Auge oft mehrere Stunden pro Zug, mit dem Kamerator ist sie in nur wenigen Minuten möglich. Im Werk München-Steinhausen werden seit 2019 neue Tools für die Zukunft der Instandhaltung getestet und implementiert. Weitere Standorte werden bundesweit folgen.

Foto: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang

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