Die Eisenbahn schafft Wohlstand
11.05.23 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Erinnern Sie sich an die Schließung von Opel in Bochum? Was wurden da für Weltuntergangsszenarien an die Wand gemalt und wie oft hat die Politik versucht, das Unternehmen bzw. den Unternehmensstandort künstlich zu erhalten? Am Ende hat es nichts gebracht, außer dass ein solches Werk nochmal einige Jahre weiterexistiert hat, es wurden Arbeitsplätze abgebaut und am Ende haben auch die letzten das Licht ausgemacht.
Sehen wir uns ein Waggonwerk wie in Krefeld an, dann stellen wir fest: Hier spricht niemand von der Schließung oder von Arbeitsplatzabbau. Dort stehen rund 2.000 Menschen in Lohn und Brot, sie ernähren ihre Familien und müssen sich keine Sorgen um ihre Arbeitsplatzsicherheit machen. Die älteren Arbeitnehmer mit all ihrem Erfahrungsschatz werden gebraucht und junge Leute, die gerade aus der Schule kommen, kriegen ihre Ausbildungsplätze und somit auch eine solide Perspektive für die Zukunft.
Seltsamerweise wird die Eisenbahn in der Politik aber kaum als zuverlässiger Arbeitgeber wahrgenommen. Jetzt, wo wir mit branchenweitem Personalmangel zu tun haben und feststellen, dass die Mitarbeiter rund um die Schiene eben gerade nicht mehr um jeden Preis auf diesen Job angewiesen sind, fängt langsam die Diskussion darüber an – aber auch in der Politik noch immer viel zu schleppend.
Wer in einem von der Schließung bedrohten und immer wieder künstlich am Leben gehaltenen Automobilwerk wie Opel in Bochum arbeitet, der hat für die Politik in Deutschland einen schützenswerten Arbeitsplatz. Der Straßenbahnfahrer der Bogestra, der Lokomotivführer bei DB Regio oder der Mechatroniker in den Werkstätten der kommunalen Verkehrsbetriebe, der Eisenbahnunternehmen oder auch der Schienenfahrzeughersteller indes wird anders gesehen: Diese Leute kosten alle nur Geld.
Dabei kann man natürlich argumentieren, dass der Mitarbeiter etwa bei Ford in Köln seinen Beitrag dazu leistet, dass wir es uns volkswirtschaftlich leisten können, eine Eisenbahn zu betreiben. Man muss es aber auch umgekehrt sein: Die Eisenbahn schafft die Grundlage dafür, dass überhaupt betriebswirtschaftlich messbare Wertschöpfung vorhanden ist.
Ohne unsere Verkehrsinfrastruktur und im Falle der Eisenbahn gehört dazu auch der öffentliche Verkehr als Daseinsvorsorge, würde die Grundlage für den ökonomischen Erfolg komplett wegbrechen. Man hat also mindestens einmal den Effekt, den man im Bereich der vermeintlich freien Wirtschaft auch hat. Denn so wie der Mitarbeiter in einem Automobilwerk dafür sorgt, dass Geld für die Eisenbahn vorhanden ist, so sorgt der Eisenbahner dafür, dass wir überhaupt eine Autofabrik betreiben können.
Wo nicht mehr funktionierende Infrastruktur hinführt, sehen wir in Lüdenscheid am Beispiel der letzten Sonntag gesprengten Rahmedetalbrücke. Eine Stadt erlebt einen Exodus und versinkt im Chaos. Sollen wir jetzt wirklich sagen, dass diejenigen, die den Wiederaufbau betreiben, alles nur Kostenfaktoren sind? Nein, sicher nicht. Das gilt dann aber genauso auch bei der Eisenbahn, auch bei Siemens in Krefeld.
Siehe auch: 125 Jahre Schienenfahrzeuge aus Krefeld
Foto: Siemens Mobility GmbH