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NRW: SPNV-Qualitätsbericht für 2023 vorgestellt

10.06.24 (Nordrhein-Westfalen) Autor:Stefan Hennigfeld

In der letzten Woche wurde der aktuelle SPNV-Qualitätsbericht für Nordrhein-Westfalen im Jahr 2023 vorgelegt. Er zeigt, dass sich die Pünktlichkeit der Züge zwischen Rhein und Weser auf einem niedrigen Niveau stabilisiert hat, während die Zahl der ausgefallenen Züge weiter gestiegen ist. Trotz dieser Herausforderungen gibt es erfreuliche Entwicklungen bei der Stationsqualität. Der Bericht bietet eine detaillierte Analyse der Betriebs- und Infrastrukturqualität und gibt wichtige Handlungsempfehlungen für die Zukunft des Schienenverkehrs in NRW.

Die landesweite Pünktlichkeit lag im Jahr 2023 durchschnittlich bei 78,1 Prozent, was eine leichte Verbesserung um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr darstellt. Allerdings ist die Zahl der Zugausfälle auf einen neuen Höchstwert gestiegen, was den Druck auf die gesamte Eisenbahnbranche erhöht. Insgesamt wurden etwa 116,4 Millionen Zugkilometer bestellt, wobei sowohl Regionalexpress (RE) als auch Regionalbahn (RB) im Vergleich zu 2022 etwas pünktlicher waren, während die S-Bahnen geringfügig weniger pünktlich fuhren. Im Detail zeigen die Veränderungen, dass die RE-Linien eine durchschnittliche Pünktlichkeitsquote von 72,0 Prozent erreichten, was eine Steigerung um einen Prozentpunkt gegenüber 2022 bedeutet.

Die RB-Linien lagen bei 81,3 Prozent (2022: 81,0 Prozent) und die S-Bahnen bei 79,3 Prozent (2022: 81,7 Prozent). Diese Werte basieren auf der Definition, dass ein Zug in NRW ab 3:59 Minuten als verspätet gilt, während andere Bundesländer und die Deutsche Bahn teils großzügigere Schwellenwerte nutzen. Ein besonders kritisches Thema sind die Zugausfälle, die im Jahr 2023 mit 16,3 Millionen ausgefallenen Zugkilometern einen neuen Höchststand erreichten. Hauptursachen hierfür sind die intensiven Bautätigkeiten im Streckennetz sowie der Fachkräftemangel bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen und in den Stellwerken.

„Die gesamte Branche arbeitet bereits intensiv an der Personalgewinnung, wie das Programm Fokus Bahn mit seiner erfolgreichen Initiative zeigt. Zudem wird deutlich, dass weitere temporäre Anpassungen notwendig sind, um das Fahrplanangebot für Reisende wieder zu stabilisieren“, erklärt Kai Schulte, Leiter des Kompetenzcenters ITF NRW. Positiv hervorzuheben ist der Zustand und die Ausstattung der Bahnhöfe in NRW, deren Qualität insgesamt als zufriedenstellend bewertet wird. Insbesondere die Bekämpfung von Vandalismusschäden hat zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität an den Stationen beigetragen.

Der Bericht enthält zudem einen Rückblick auf die neu in Betrieb genommenen Stationen der letzten fünf Jahre. Neben den Hauptthemen werden im Qualitätsbericht auch verschiedene Sonderthemen behandelt, die die SPNV-Branche bewegen. Dazu gehören aktuelle Großbaustellen in NRW, neue landesweite Strategien zur verbesserten Kundenkommunikation bei Baustellen und Maßnahmen zur Stabilisierung des SPNV-Angebots.

Der 14. Qualitätsbericht dieser Art stellt die erhobenen Daten transparent dar und ermöglicht es, langfristige Entwicklungen in der Betriebs- und Infrastrukturqualität zu erkennen. Durch den Vergleich der über mehrere Jahre erhobenen Kennzahlen können Tendenzen identifiziert und Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, die den SPNV langfristig verbessern sollen. Dazu gehört auch die Beseitigung von infrastrukturellen Engpässen, wofür insbesondere der große Infrastrukturbetreiber DB InfraGO in der Pflicht steht.

„Die Schieneninfrastruktur ist vielerorts veraltet und störungsanfällig. Trotzdem arbeiten wir mit hohem Einsatz daran, den SPNV in Nordrhein-Westfalen wieder verlässlicher zu machen. Dabei ist es unsere Priorität, das Zugangebot für Reisende planbar und robust zu gestalten“, ergänzt Joachim Künzel, Geschäftsführer des Nahverkehrs Westfalen-Lippe (NWL). Das Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW (KC ITF NRW) hat den Qualitätsbericht im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen erstellt.

Das KC ITF NRW ist eines der vier vom Land geförderten Kompetenzcenter zur Koordinierung von Schwerpunktthemen im öffentlichen Personennahverkehr und hat seinen Sitz in Bielefeld beim Aufgabenträger Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), einer von drei, die es in Nordrhein-Westfalen gibt. Dieser Qualitätsbericht ist ein wichtiges Instrument, um die Herausforderungen und Fortschritte im Schienenpersonennahverkehr zu dokumentieren und gibt wertvolle Einblicke und Anregungen zur Verbesserung der Mobilität in NRW.

Siehe auch: Der Blick in die Realität

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