Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

Anpfiff!

13.06.24 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

18 Jahre ist das Sommermärchen jetzt her und es bis heute der Goldstandard für große Sportturniere überall auf der Welt. Damals hat alles gepasst: Wir hatten vom ersten bis zum letzten Tag herrliches Sommerwetter und entsprechend gut war die Stimmung. Deutschland hat sich als herzlicher Gastgeber gezeigt und unsere Nationalmannschaft gehörte zum Favoritenkreis – auch wenn der goldene Pokal am Ende an Italien gegangen ist.

Sei´s drum, 1990 wurde Deutschland in Italien Weltmeister, 2006 wurde Italien in Deutschland Weltmeister und 2014, ein Jahr nach dem deutsch-deutschen Champions-League-Endspiel im Wembley-Stadion, hat sich die Generation um Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger im Maracana-Stadion in Brasilien dann doch die Krone aufgesetzt.

Doch vor allem aber hatten wir im Jahr 2006 eine funktionierende Eisenbahn. Natürlich gab es Verspätungen, aber dass ganze Streckenabschnitte wegen unbesetzter Stellwerke gesperrt werden mussten, war ebenso unvorstellbar wie Sonderfahrpläne wegen Personalmangel. Auch die damals schon absehbaren Kürzungen der Regionalisierungsgelder wurden gezielt auf 2007 verschoben, damit man zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 noch einmal alles geben konnte.

Zur Jahrtausendwende war auch mal geplant, einen Transrapid zwischen Dortmund und Düsseldorf, vielleicht sogar bis Köln, zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Betrieb zu nehmen. Davon ist man aber relativ schnell wieder abgerückt. Während diese Technik heute im fernen Osten ihre Potentiale entfaltet, gammelt die Teststrecke im Emsland vor sich hin. Aber letztlich gab es wohl auch Gründe dafür, die Entscheidung für das traditionelle Rad-Schiene-System zu treffen.

In den kommenden vier Wochen kann man sicher sein, dass die Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen alles geben werden. Es werden Urlaubssperren verhängt und Überstunden gemacht, damit keine Züge wegen Personalmangel ausfallen und die Stellwerke verlässlich besetzt sind. Das Problem aber ist: Nach dem letzten Abpfiff werden die Überstunden abgefeiert und der Urlaub nachgeholt.

Durch die Belastung, die in den jetzt auf die Eisenbahner zukommt, steht zu befürchten, dass gerade in der zweiten Julihälfte der Krankenstand steigt. Wenn dann der Spaß vorbei ist, geht der graue Alltag wieder los: Sowohl in der Fußball-Bundesliga als auch bei der Eisenbahn. Auch nach dem 14. Juli müssen viele Fahrgäste verlässlich über die Schiene von A nach B gebracht werden.

Doch wir sollten uns die Vorfreude auf das Heimturnier nicht nehmen lassen. Wir können der Welt erneut zeigen, dass wir unsere klassischen Tugenden nicht verlernt haben: Wir können große Veranstaltungen organisieren und wir können auch die Eisenbahn so betreiben, dass die Fahrgäste sich auf ihre Mobilitätsverfügbarkeit verlassen können. Doch jetzt regiert für die kommenden Wochen der König Fußball. Und wer weiß, immerhin ist Deutschland eine Turniermannschaft. Vielleicht gelingt ja doch der erste deutsche Europameistertitel seit 1996.

Siehe auch: EM-Vorbereitungen abgeschlossen
Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

Kommentare sind geschlossen.