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NWL erwägt Eurobahn-Übernahme

06.05.24 (Niederlande, Niedersachsen, NWL, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Aufgabenträger Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) diskutiert über die fortschreitenden Probleme mit der Eurobahn. Nun haben rund neunzig Vertreter der anliegenden Kommunen in Kamen über die aktuelle Situation diskutiert. Die Eurobahn hat rund dreißig Prozent Marktanteil im NWL. „Unser Ziel ist es, den Fahrgästen wieder verlässliche und vollumfängliche Verkehrsleistungen anzubieten und gleichzeitig für die Mitarbeitenden der Eurobahn eine langfristige, sichere Perspektive zu schaffen“, sagte Joachim Künzel, Geschäftsführer des NWL.

Die Eurobahn als wichtiger Betreiber von SPNV-Leistungen in Westfalen-Lippe beschäftigt rund 900 Angestellte in Nordrhein-Westfalen. In Folge des Austritts der ehemaligen französischen Muttergesellschaft Keolis aus dem deutschen Markt vor gut zwei Jahren befinde sich das Unternehmen weiterhin in einer herausfordernden betrieblichen Situation, so Joachim Künzel weiter. Schon mit dem Rückzug von Keolis aus der Eurobahn Ende 2021 verfolgte der NWL in Abstimmung mit dem Landesverkehrsministerium und den weiteren betroffenen Aufgabenträgern Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und Provinz Overijssel das Ziel, die langfristige Sicherung des Betriebs der Eurobahn-Leistungen über den Verkauf an einen neuen Gesellschafter zu erreichen.

Der NWL prüft aktuell alle möglichen Handlungsoptionen inklusive einer eigenen Übernahme der Eurobahn. Im nächsten Schritt werden die politischen Entscheider der beteiligten Gebietskörperschaften und der Mitgliedszweckverbände über sinnvolle Maßnahmen beraten. Ein Beschluss der Verbandsversammlungen des NWL könnte in der zweiten Jahreshälfte 2024 gefasst werden. Aktuell befindet sich das Unternehmen im Eigentum der TEAM Treuhand GmbH, einer Tochtergesellschaft der Rechtsanwaltskanzlei Noerr, die dort das Vermögen von Mandanten verwaltet

Im Jahr 2021 war der französische Keoliskonzern aus dem Unternehmen ausgestiegen. Unter anderem durch die allgemeine Verteuerung der Preise, etwa im Energiesektor, der Einführung des Deutschlandtickets und durch den massiven Fachkräftemangel haben alle Verkehrsunternehmen und damit auch die SPNV-Branche insgesamt derzeit mit Finanzierungsherausforderungen zu kämpfen. Diese treffen aktuell auch die Eurobahn, die trotz umfangreicher interner Anstrengungen nicht ausreichend Triebfahrzeugführer mobilisieren kann und deshalb nicht mehr den vertraglich vereinbarten Leistungsumfang auf die Schiene bringt.

Dies wiederum hat unmittelbare Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation des Unternehmens – zum einen, weil der NWL nicht erbrachte Leistungen nicht vergütet, zum anderen, weil darüber hinaus vertragliche Strafzahlungen anfallen. „Jetzt ist gemeinsames Handeln gefragt, um eine langfristige Perspektive zu sichern“, sagte Matthias Goeken (CDU), Mitglied des Landtags und Vorsitzender der Verbandsversammlung des NWL.

Foto: Sven Steinke

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