Eisenbahnjournal Zughalt.de

Nachrichten über Eisenbahn und öffentlichen Verkehr

LBO fordert Kurskorrekturen

06.12.23 (Bayern, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Rund 300 Busunternehmer sowie Fachbesucher aus der Verkehrsbranche trafen sich am Mittwoch zur Jahrestagung des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen e.V. (LBO) im Jahnstadion Regensburg. Im Mittelpunkt der Branchentagung mit begleitender Bus- und Fachausstellung standen aktuelle verkehrs- und gewerbepolitische Herausforderungen für die rund tausend privaten Busunternehmen in Bayern.

Vor allem die fehlende Planungssicherheit und offene Finanzierungsfragen im Zusammenhang mit dem Deutschlandticket, der akute Mangel an Fahrpersonal sowie die Dekarbonisierung der Busflotten samt Betriebshöfen stellen die überwiegend klein- bis mittelständisch geprägten Busunternehmen in Bayern auf eine harte Probe – und damit auch den Erfolg der Verkehrswende. Busse stellen im öffentlichen Liniennahverkehr sowie im Schüler- und Ausbildungsverkehr das Rückgrat der Mobilität im Flächenland Bayern dar.

Im Jahr 2022 wurden in Bayern 664,87 Millionen Fahrgäste im ÖPNV mit Bussen befördert. Täglich werden rund 1,3 Millionen Schüler und Auszubildende mit dem Bus in die Schule bzw. zur Ausbildungsstätte gebracht. Einen unverzichtbaren Anteil daran haben die mittelständischen Busunternehmen mit ihren über 13.000 Fahrerinnen und Fahrern. Sie betreiben fast siebzig Prozent des gesamten öffentlichen Nahverkehrs in Bayern.

„Doch die aktuellen Herausforderungen sind gewaltig“ mahnte LBO-Präsidentin Sandra Schnarrenberger. „Das Deutschlandticket, die Antriebswende und der Fachkräftemangel bereiten uns privaten Busbetrieben nicht nur finanzielle Sorgen, sondern auch organisatorisch Kopfzerbrechen“.

Seit Anfang Mai stellt das Deutschlandticket die Finanzierungsgrundlagen des ÖPNV auf den Kopf. Etwa zehn Prozent Neukunden für den ÖPNV stehen nicht durch Fahrgeldeinnahmen gedeckte Mehrkosten in Milliardenhöhe gegenüber. Der Aufwand für Vertrieb, Kontrolle, Melde- und Abrechnungsprozesse des digitalen Tickets belastet die oft familiengeführten Verkehrsbetriebe über Gebühr.

Der LBO fordert daher eine Kurskorrektur: „Ein ÖPNV-Angebot, das dauerhaft nicht aus Ticketeinnahmen finanzierbar und zudem nur für einen Teil der Menschen im Land attraktiv ist, darf nicht aus politischem Opportunismus am Leben erhalten werden. Jeder Euro zusätzlich in das Verkehrsangebot ist nachhaltiger angelegt als in das Ticket. Viele Menschen werden erst dann vom Auto in Bus und Bahn umsteigen, wenn auch außerhalb der Ballungsräume ein alltagstaugliches ÖPNV-Angebot verfügbar ist. Deshalb: Ja zum Deutschlandticket, aber nur bei gleichzeitigem massiven Angebotsausbau“, so LBO-Geschäftsführer Stephan Rabl.

Sowohl im Nah- als auch im Reise- und Fernverkehr bieten private Busunternehmen bereits heute die umweltfreundlichste Form motorisierter Mobilität. Die Antriebswende, weg vom konventionellen Verbrennungs- und Dieselmotor, hin zu emissionsfreien Fahrzeugen, stellt die größte Transformation der Mobilität in der Geschichte dar.

Foto: planetfox

Kommentare sind geschlossen.