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Marschbahn wird elektrifiziert

28.11.23 (Schleswig-Holstein) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Marschbahnstrecke zwischen Hamburg und Sylt ist auf einer Länge von 173 Kilometer zwischen Itzehoe und Westerland nicht elektrifiziert. Sie gehört damit bundesweit zu einer der letzten vielbefahrenen Strecken, die keine Oberleitung haben. Für die Elektrifizierung hat das Land Schleswig-Holstein nun eine Ausschreibung für die Planungsleistungen veröffentlicht.

Mit der Ausschreibung werden sogenannte Generalplaner gesucht. Das sind Ingenieurbüros, die die technische Planung aller Fachrichtungen übernehmen und beispielsweise auch Umwelt-Planungsleistungen aus einer Hand anbieten. Für das Projekt geht das Land zunächst mit etwa zwanzig Millionen Euro in Vorleistung. Die in der Ausschreibung gesuchten Ingenieurbüros sollen nicht nur die Elektrifizierung des 173 Kilometer langen Streckenabschnitts zwischen Itzehoe und Westerland planen.

Nicht zuletzt für einen stabilen Betrieb in der Bauphase soll auch die 26 Kilometer lange, wichtige Umleiterstrecke Jübek – Husum mit Oberleitung ausgestattet werden. Zudem wird untersucht, ob weitere Infrastrukturverbesserungen zusammen mit der Elektrifizierung umgesetzt werden können: Neue Weichenverbindungen, Geschwindigkeitserhöhungen, Maßnahmen an Bahnhöfen und Haltepunkten und auch der Ausbau von Abstellkapazitäten verbessern die Robustheit des Netzes und ermöglichen im Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) vorgesehene Angebotsverbesserungen.

Außerdem wird geprüft, ob und wie die Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik nach neuestem europäischem Standard umgesetzt werden kann. All diese Vorhaben, die über die Elektrifizierung der Strecke hinausgehen, können jedoch nur umgesetzt werden, wenn sie sich sinnvoll in die Planung und den Bau integrieren lassen und die Finanzierung sichergestellt ist.

Der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH) hat die Ausschreibungsunterlagen erstellt und verfolgt mit der Inhaberin der Streckeninfrastruktur, DB Netz, den Ausbau. Die ersten Phasen der Planung werden durch die Nah.SH beauftragt. Im weiteren Verlauf geht das Projekt an die DB Netz über, die dann auch den Bau der Oberleitung verantworten wird.

Die Planungsbüros, die durch die Ausschreibung des Landes gebunden werden, begleiten das Projekt nach Möglichkeit aber über alle Leistungsphasen von der Grundlagenermittlung bis zur Ausschreibung der Bauleistungen. Beim Projektübergang an die DB Netz muss also nicht, wie bei anderen Großprojekten teilweise üblich, ein neuer Planungsdienstleister gefunden werden, was viel Zeit sparen soll.

Am 16. November veröffentlichte die Nah.SH die europaweite Ausschreibung der Planungsleistungen zur Marschbahnelektrifizierung. Sie startet damit ein Verhandlungsverfahren, das für die in drei Lose aufgeteilte Strecke den besten Planungs-Anbieter sucht. Die Marschbahn nimmt als nicht elektrifizierte Bahnstrecke deutschlandweit eine Sonderrolle ein. Züge aus dem Rest des Bundesgebietes müssen in Itzehoe von E-Lok auf Diesellok umgekuppelt werden.

Foto: Alstom / Manuel Weber

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