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Gute Leute für ein gutes Angebot anwerben

10.08.23 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Auch die Stadtwerke Bonn haben einen hohen Personalbedarf und stehen erst am Anfang einer Verrentungswelle, die noch das gesamte Jahrzehnt andauern wird. Die Zahl der Schulabsolventen indes sinkt und man muss frühzeitig den Kontakt herstellen: Mit jungen Leuten, die bald aus der Schule kommen, mit erfahrenen Leuten, deren Arbeitgeber in Schwierigkeiten steckt und die auf Jobsuche sind und vieles mehr.

Geeignete Bewerber findet man überall: Vom 25jährigen Studienabbrecher bis zum 55jährigen Handwerker, dessen bisheriger Chef den Betrieb einstellen musste gibt es jede Menge Leute, die als potentielle Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsunternehmen für die Zukunft eine Rolle spielen können, auch über den klassischen Weg der Berufsausbildung unmittelbar nach der Schule hinaus. Dabei hieß es doch immer, es sei längst nicht mehr die Regel, dass jemand nach der Schule in die Lehre geht und in diesem Unternehmen bis zur Rente verbleibt.

Tatsächlich aber bieten die Arbeitgeber rund um Bus und Bahn genau das an: Langfristige Sicherheit. Selbst wenn es im SPNV zu einem Betreiberwechsel kommt, so ist es doch inzwischen gang und gäbe, dass die Mitarbeiter übernommen werden. Im kommunalen ÖPNV gibt es langfristige Konzessionen und Verkehrsverträge, hier muss auch niemand Angst um seinen Job haben. Die Bezahlung ist pünktlich und regelmäßig da – auch das ist ein Argument, das manch einen, der im Moment noch bei einer kleineren Firma ist überzeugt. Es gibt leider Arbeitgeber da draußen, da kommt die Bezahlung eben auch erst mal am Monatsende – auch wenn die laufenden Kosten am Monatsanfang fällig sind. Darüber muss man sich bei Bussen und Bahnen keine Gedanken machen.

Es sind gute und solide Arbeitgeber, die auch genau mit solchen Dingen auf Tour gehen sollte: Wir bieten Euch planbare Arbeitszeiten und krisensichere Jobs. Gleichzeitig muss man sich aber auch als Arbeitgeber verändern: Man kann sich nicht auf Leute beschränken, die olympiareife Lebensläufe und Zeugnisse haben. Es kann auch geeignete Leute geben, die vielleicht aus der Arbeitslosigkeit kommen oder anderweitige Brüche in der Biographie haben.

Es hat in der deutschen Wirtschaft in der Vergangenheit schon Unternehmen gegeben, die stolz drauf waren, dass sie Bewerbungen beim Eingang von einer künstlichen Intelligenz aussortieren lassen. Was für eine überhebliche Arroganz genau den Leuten gegenüber, ohne die sich in der deutschen Wirtschaft kein Rad drehen würde. Da können wir froh sein, dass man in der Eisenbahn- und ÖPNV-Branche relativ schnell und früh erkannt hat, welches Potential man nicht liegen lassen sollte.

Denn wenn wir ernsthaft Verkehrsverlagerung vom Auto auf die Öffis wollen und das in einer Zeit, in der ein erheblicher Teil der Belegschaften in den Ruhestand tritt, dann kann man gar nicht genug Personalakquise betreiben und muss auch entsprechenden Aufwand machen, um die Leute zu halten. Denn nur mit guten Mitarbeitern lassen sich gute Angebote realisieren, um die Verkehrswende hinzukriegen.

Siehe auch: Ausbildungsstart bei den Stadtwerken Bonn
Foto: Stadtwerke Bonn

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