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TÜV bewertet Aluminiumzüge in Indien

08.11.22 (Übrige Welt) Autor:Stefan Hennigfeld

Im Auftrag des Betreibers Maharashtra Metro führt der TÜV India bis Mitte 2023 die Fertigungsüberwachung von Zügen mit Karosserien aus Aluminium durch, die in Pune rollen sollen. Darüber hinaus geht es um die unabhängige Sicherheitsbewertung der Zugteile. Jetzt wurden die ersten beiden Züge aus dem indischen Werk übergeben; drei schon gelieferte Züge wurden in Italien gebaut.

Insgesamt sollen 34 Züge mit je zwei Steuerwagen und je einem Beiwagen auf der zunächst über 30 Kilometer langen Strecke mit einer Maximalgeschwindigkeit von 85 km/h fahren. Nur die ersten drei Züge wurden in Italien gefertigt, alle weiteren kommen aus dem indischen Werk. Das Bahntechnikteam vom TÜV India um Prashant Waghmare führt eine unabhängige Sicherheitsbewertung (Independent Safety Assessment, ISA) an allen Fahrzeugen durch.

„Wir müssen sehr flexibel sein, um die Übergabetermine der Bahnen einzuhalten. Es hatte einige sehr kurzfristige Änderungen an Fahrzeugen und am Herstellungsprozess gegeben“, berichtet Prashant Waghmare. Ein besonderes Augenmerk richteten die Ingenieure auf die Begutachtung der Schweißnähte, weil die Arbeiter in der indischen Titagarh-Fabrik zum ersten Mal eine Aluminium-Karosserie gebaut haben. Waghmare: „Die Schweißtechnik ist anders als bei Edelstahl, darauf müssen wir sehr genau achten.“

Darüber hinaus standen insbesondere alle Verbindungen wie Haken und Halterungen, Vernietungen oder Klemmverbindungen auf der Checkliste der Spezialisten von TÜV India. Die Züge sollen halbautomatisch auf dem Streckennetz unterwegs sein (GoA2): Die Fahrt selbst wird vollautomatisch ausgeführt, der Fahrer oder die Fahrerin ist für die Türsteuerung verantwortlich und löst die Fahrt aus.

Im Bedarfsfall kann jedoch die Fahrsteuerung sofort übernommen werden. Die Bahnspezialisten vom TÜV India überwachen dabei die Fertigung der Zugeinheiten und nehmen die Produktion selbst in Augenschein. Jede einzelne Zugeinheit muss vor Inbetriebnahme geprüft werden, es erfolgt eine komplette Sicherheitsbewertung nach den Standards des Europäischen Komitees für elektrotechnische Normung (CENELEC) und nach Vorgaben der künftigen Betreibergesellschaft.

Pune hat als zweitgrößte Stadt im indischen Bundesstaat Maharashtra in den vergangenen Jahren eine rasante ökonomische Entwicklung gemacht und ist so zu einem neuen Industriezentrum geworden: Unternehmen aus den Bereichen Automobile, Leichtindustrie, Software und Maschinenbau sind hier zu Hause oder haben sich neu angesiedelt.

Im Großraum Pune leben fünf Millionen Menschen, die zur Arbeit und wieder nach Hause wollen. Doch die Verkehrsinfrastruktur hat mit der rasanten ökonomischen Entwicklung nicht Schritt halten können. Daher hat sich die Stadt entschieden, eine Metro zu bauen – 2019 wurde der Grundstein gelegt. Schon in diesem Jahr sollen nun die ersten Züge auf zwei Linien fahren. Im nächsten Jahr soll eine weitere Linie hinzukommen.

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