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Den Markt attraktiv halten

14.02.22 (Hessen, Nordrhein-Westfalen, NVR, NWL, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

So kann es gehen: Noch vor einem Jahr wurde darüber diskutiert, dass es branchenweit zu defizitären Verkehrsverträgen gekommen ist und alle haben darauf gewartet, dass auch laufende Verkehrsverträge auf das Konzept Verkehrsvertrag 2.0 umgestellt werden – weil ein Zugausfall wegen Personalmangel anders zu bewerten ist als ein solcher wegen Bauaktivitäten. Doch nach anderthalb Jahren Verhandlungsdauer hat man bei Abellio die Notbremse gezogen und ist ins Schutzschirmverfahren eingetreten.

Überraschend war das nicht, denn die Niederländer sind keine Zocker, sondern Kaufleute. Es wird nicht hoch gepokert, sondern klar gesagt, unter welchen Umständen man bereit ist, sich im deutschen Eisenbahnmarkt zu engagieren und unter welchen nicht. Und dann sind alle Stricke gerissen, der langjährige Qualitätsführer auf der Schiene existiert nicht mehr. Ob man über die Westfalenbahn irgendwann in Nordrhein-Westfalen wieder expandieren wird, bleibt abzuwarten.

Kurzfristig ist erstmal ein Unternehmen weg und kann nicht so ohne weiteres ersetzt werden. Im nächsten Schritt hat die französische Staatseisenbahn einige Monate später den deutschen Markt verlassen und die Eurobahn an einen Investor verkauft. Es bleibt zu hoffen, dass das Unternehmen langfristig Teil der Schiene zwischen Rhein und Weser bleiben wird.

Denn wir brauchen diese Unternehmen: Von DB Regio über andere europäische Staatseisenbahnen, aber auch rein private Unternehmen. Wir sind in Nordrhein-Westfalen auch viel stärker darauf angewiesen als es in Baden-Württemberg der Fall ist. Die Abellio Rail Baden-Württemberg GmbH ist dort auf die landeseigene SWEG Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft mbH verschmolzen worden. Ein solches landeseigenes Unternehmen hat Nordrhein-Westfalen aber nicht und ist daher dauerhaft darauf angewiesen, dass nicht vom Land kontrollierbare Unternehmen hier aktiv sind.

Hätte das Land die zum Verkauf stehenden Unternehmen im letzten Jahr übernehmen sollen? Wäre das die Gelegenheit gewesen, die West-Landesbahn zu gründen? Ja, hier wurde in meinen Augen definitiv eine Chance verpasst. So geht es nicht um die Frage, Wettbewerb oder nicht, sondern es gibt keine Alternative, weil man ein Unternehmen, das im Zweifel als Staatsunternehmen handeln würde, nicht gibt.

Ganz wichtig ist, dass DB Regio genau dieses Unternehmen nicht ist und nicht sein wird. DB Regio ist einer von vielen Marktakteuren, ein Bundesunternehmen, das sich gerade nicht wie ein Landesunternehmen steuern lässt. Also müssen sich die Aufgabenträger in Nordrhein-Westfalen auch weiterhin so aufstellen, dass nationale und internationale Verkehrskonzerne in den Markt zwischen Rhein und Weser hinein möchten.

Man braucht bei künftigen Vergaben Bieter, denn wenn es keine gibt, wird DB Regio zeigen, dass das Unternehmen eben gerade nicht an seine Fahrgäste oder an das Gemeinwohl denkt, sondern als einziger Bieter wird dann in der Wüste das Wasser eben teurer. Und das kann doch wirklich niemand wollen.

Siehe auch: Aufgabenträger danken Abellio-Eisenbahnern
Foto: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr AöR

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