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Abellio und Eurobahn: Aktueller Stand

07.10.21 (Nordrhein-Westfalen, NVR, NWL, Verkehrspolitik, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Im krisengeschüttelten SPNV in Nordrhein-Westfalen tut sich in den letzten Wochen einiges. So ist bei Abellio zum 1. Oktober das Hauptverfahren im laufenden Schutzschirm gestartet. Bei der Eurobahn indes wurde bekanntgegeben, dass der internationale Verkehrskonzern Keolis aus dem Unternehmen aussteigt, damit verlässt die französische Staatseisenbahn den Nahverkehrsmarkt in der Bundesrepublik.

Derzeit gibt es drei potentielle Kaufinteressenten, die allesamt nicht operativ tätig würden, sondern die als reine Investoren einsteigen möchten. Das Unternehmen wird spätestens zum 1. Januar 2022 an den neuen Gesellschafter überschrieben. Keolis leistet einen hohen Beitrag, um die Verpflichtungen und die verbleibenden Defizite über die Vertragslaufzeiten zu finanzieren. Das ist sieht bei den Niederländern anders aus, die weiterhin Interesse daran haben, in Deutschland Eisenbahnleistungen zu fahren, sofern dies wirtschaftlich vertretbar möglich ist.

Die unternehmerische Verantwortung bleibt in den Händen der Geschäftsführung um CEO Michiel Noy. Wie im vorläufigen Verfahren bleibt Lucas Flöther als Generalbevollmächtigter mit dabei. Als Sachwalter wurden Rainer Eckert (für die operativ tätigen Gesellschaften in den Regionen), Stefanie Zulauf (für die PTS GmbH) und Stephan Poppe (für die Holding Abellio GmbH) aus der Kanzlei Eckert Rechtsanwälte Steuerberater Partnerschaftsgesellschaft mbB bestätigt.

Zuvor hatten sie gutachterlich die Erfolgsaussichten der Sanierung im nun anstehenden Hauptverfahren bekräftigt. Der Zugbetrieb wird wie gewohnt weitergeführt. Grundlage hierfür sind Vereinbarungen zwischen Abellio und den Aufgabenträgern. So wurden in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen Fortführungsvereinbarungen zur Sicherung des Betriebes bis Ende Dezember 2021 bzw. Ende Januar 2022 geschlossen, um in den kommenden Monaten eine langfristig ausgerichtete Einigung im Sinne der Fahrgäste und der Beschäftigten zu erzielen.

Zu diesem Zwecke hat sich der Gesellschafter nochmals bereiterklärt, weitere finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Auch für den Betrieb der Westfalenbahn wurde eine entsprechende Fortführungsvereinbarung bis Ende März 2022 unterzeichnet. In Mitteldeutschland konnte bereits eine langfristige Lösung zum Weiterbetrieb der beiden Abellio-Netze Dieselnetz Sachsen-Anhalt (DISA) bis Dezember 2023 und Elektronetz Saale-Thüringen-Südharz-Netz (STS) bis zum Ende der Vertragslaufzeit im Dezember 2030 erzielt werden.

In den kommenden Wochen wird die Sanierung von Abellio weiter voranschreiten. Insbesondere wird das Restrukturierungsteam Sanierungspläne erarbeiten und finalisieren, welche die Grundlage für eine wirtschaftlich nachhaltige Zukunft des Unternehmens bilden. Ziel – nach jetzigem Stand der Entwicklungen – ist es, das Sanierungsverfahren im Laufe des Frühjahrs 2022 erfolgreich zu beenden.

Bei Keolis Deutschland ist das anders: Keolis wird bis zum Jahresende aussteigen, der Name Eurobahn bleibt erhalten. Das Eisenbahnverkehrsunternehmen soll weiterhin das Maas-Rhein-Lippe-Netz, das Hellweg-Netz, das Teutoburger Wald-Netz und das Ostwestfalen-Lippe-Netz bedienen. Einer entsprechenden Vorlage haben die Gremien von NWL und VRR zugestimmt. Dieser Beschluss schafft eine langfristige Perspektive für die Mitarbeiter, aber auch für die Fahrgäste.

In den vergangenen Monaten hatten die Verantwortlichen von NWL und VRR mit Vertretern von Keolis Deutschland wie auch deren Muttergesellschaft, der in Frankreich ansässigen Keolis S. A., intensive Gespräche zur Neugestaltung der bisherigen Verkehrsverträge geführt. Dabei haben sich die Aufgabenträger und das EVU auf eine gesonderte Regelung zur Fortführung der Zusammenarbeit geeinigt. Auf Basis der vereinbarten Eckpunkte werden zunächst bis Ende dieses Jahres vertragliche Anpassungen im Rahmen des Projekts „Verkehrsvertrag 2.0“ ausgestaltet.

„Im Ergebnis haben wir eine stabile, langfristige Lösung zur Sicherung der Verkehre und der zum Teil bis 2032 laufenden Verträge geschaffen“, sagt Joachim Künzel, Geschäftsführer des NWL. „Trotz der schwierigen Bedingungen haben wir eine belastbare Lösung gefunden, die den von Keolis zu leistenden Verkehr langfristig absichert. Das war auch deshalb möglich, weil sich die Verantwortlichen des Unternehmens wie auch des Mutterunternehmens in unseren Gesprächen verantwortungsvoll, konstruktiv und lösungsorientiert aufgestellt haben“, ergänzt VRR-Vorstandssprecher Ronald Lünser.

Siehe auch: Alles tun, um die Akteure zu halten

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