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Erhebliche Unwetterfolgen im Westen und Süden

22.07.21 (Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Eisenbahnverkehr in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz bliebt auch in dieser Woche erheblich beeinträchtigt. Ein erstes Lagebild hat massive Beschädigungen an mehr als 80 Stationen und Haltepunkten, Gleisen auf mehr als 600 Kilometern Länge, Weichen, Signaltechnik, Stellwerken, Brücken sowie Fahrzeugen des Regional-, S-Bahnverkehr- und Güterverkehrs ergeben.

Allein sieben Regionalverkehrsstrecken sind so stark von den Wassermassen zerstört, dass die DB sie neu bauen oder umfangreich sanieren muss. Die Reparatur- und Wiederaufbaumaßnahmen werden Wochen und Monate dauern. Insgesamt sind Gleise auf einer Länge von rund 600 Kilometern von den Unwetterfolgen betroffen. Nach wie vor räumen rund 2.000 DB-Mitarbeiter dort, wo das Wasser abgeflossen ist, Gleise, Bahnhöfe und Anlagen von Geröll und Schlamm frei.

Bei den Bahnhöfen zeigt sich ein ähnliches Bild: Rund 80 Stationen wurden durch das Unwetter beschädigt. Wassereinbrüche haben Aufzüge zerstört oder Bahnsteige unterspült. Viele kleinere Reparaturen hat die DB inzwischen durchführen können. Das Wasser hat in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz insbesondere die Eifelstrecke, die Voreifel- und Erfttalbahn, die S-Bahn Rhein-Ruhr Linie 9 (Wuppertal-Essen-Steele) sowie die Strecke Hagen–Brügge und die Ruhr-Sieg-Strecke (Hagen–Plettenberg) stark beschädigt.

Auch die Ahrtalbahn ist massiv von der Zerstörung betroffen, hier sind sieben Brücken und 24 Kilometer Strecke nicht mehr oder nur noch rudimentär vorhanden. Auf anderen Strecken wird die Reparatur noch Wochen in Anspruch nehmen, beispielsweise auf dem Streckenabschnitt zwischen Herzogenrath und Geilenkirchen auf der Strecke von Aachen nach Mönchengladbach oder auf der Verbindung zwischen Bochum-Dahlhausen und Hattingen. In den besonders vom Unwetter betroffenen Gebieten konnte die DB viele Schäden oftmals behelfsmäßig reparieren, um den Zugverkehr schnellstmöglich wieder aufzunehmen. Aber auch hier stehen weitere Arbeiten an.

Neben vielen anderen privaten und institutionellen Helfern hat auch die Düsseldorfer Rheinbahn AG ihre Unterstützung zugesagt. Damit die betroffenen Bürger in Düsseldorf, im Kreis Mettmann sowie im Rheinkreis Neuss gerade jetzt mobil bleiben können, unterstützt sie die Rheinbahn mit kostenlosen Tickets für die gesamte Familie. Diese werden seit Montag in den Kundencentern ausgegeben und gelten bis Ende August.

„Die Bilder der Hochwasser-Katastrophe machen uns immer noch fassungslos und nachdenklich. Unsere Gedanken sind bei den Betroffenen, deren Häuser und Fahrzeuge in den Fluten untergegangen sind“, erklärt Klaus Klar, Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer Rheinbahn AG. „Gerade jetzt müssen diese Menschen mobil sein, um die notwendigen Erledigungen und Behördengänge tätigen zu können, damit ihr Leben möglichst schnell wieder zur Normalität zurückkehrt. Aus diesem Grunde haben wir uns entschlossen, als Rheinbahn unkompliziert zu unterstützen.“

Ebenfalls betroffen vom Unwetter war der Freistaat Bayern- Zerstörte Häuser, überschwemmte Straßen und gesperrte Bahnstrecken prägten das Bild im Berchtesgadener Land. Infolge starker Regenfälle sind insbesondere in Süd- und Südostbayern mehrere Bundes-, Staats- und Kreisstraßen sowie Bahnstrecken stark beschädigt und mussten gesperrt werden.

Der größte Schaden entstand an der B 305 westlich von Berchtesgaden. Hier wurden die Stützmauer zur Ache, der Gehweg und ein Teil der Fahrbahn auf einer Länge von rund 30 Metern von den Fluten weggerissen. Wenige Meter weiter klaffte ein riesiges Loch in der Fahrbahn. Nach einer Vollsperrung ist der Streckenabschnitt seit Sonntagabend wieder in Fahrtrichtung Ramsau befahrbar.

„Ziel ist es, die Fahrbahn in den nächsten Wochen mit Sofortmaßnahmen soweit wiederherzustellen, dass ein provisorischer Betrieb in beide Fahrtrichtungen möglich ist“, so Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU). Für eine dauerhafte Sanierung zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die gesamten Stützwände und die Fahrbahn der B 305 auf einer längeren Strecke erneuert werden müssen.

Hierfür hat das Staatliche Bauamt Traunstein die Planungen bereits aufgenommen. Die Planungen und der Bau werden angesichts des zum Teil erheblichen Schadensumfanges jedoch viele Monate dauern und Kosten in Millionenhöhe nach sich ziehen. Schreyer versicherte, dass auch Straßenschäden so schnell wie möglich beseitigt werden sollen.

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