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NVR: Sinkende Bahnhofsqualität

30.06.21 (NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Kölner Aufgabenträger Nahverkehr Rheinland (NVR) hat im vergangenen Jahr trotz der Corona-Pandemie wieder einen kritischen Blick auf die Bahnhöfe und Haltepunkte im Verbundgebiet geworfen. Herausgekommen ist der neue Stationsbericht für das Jahr 2020, bei dem zum achten Mal in Folge Merkmale wie die Sauberkeit, der Zustand von Sitzgelegenheiten, Abfallbehältern und Vitrinen oder das Vorhandensein eines Wetterschutzes untersucht und bewertet wurden.

Von den 201 Stationen im NVR-Gebiet wurden im Herbst 2020 insgesamt 200 in Augenschein genommen und bewertet. Lediglich die Station Linnich (RB 21 Nord) wurde aufgrund der Streckensperrung zwischen Linnich Tetz und Linnich nicht erhoben. Bei der Untersuchung werden die Stationen in drei Kategorien eingeteilt: mindestens akzeptabel (grün), noch akzeptabel (gelb) und nicht akzeptabel (rot).

Beim Gesamtergebnis gab es große Unterschiede im Vergleich zum Vorjahr: In der besten Kategorie (akzeptabel) landeten 2020 nur noch 126 Stationen, dies entspricht einem Anteil von 63 Prozent. 2019 gab es im grünen Bereich noch 153 Stationen (achtzig Prozent). Auf dem Gebiet des NVR sind neben der DB Station&Service AG noch die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) und die Rurtalbahn GmbH (RTB) für den Betrieb der Stationen verantwortlich.

Die Anzahl der Bahnhöfe und Haltestellen mit nicht mehr akzeptablen Mängeln ist stark gestiegen: Sie stieg von vier Prozent (acht Stationen) in 2019 auf zehn Prozent (21 Stationen) in 2020. Die Anzahl der als noch akzeptabel eingestuften Stationen ist erneut angestiegen, von 19 Prozent (38 Stationen) in 2019 auf 27 Prozent (53 Stationen) in 2020.

Der größte Handlungsbedarf besteht an den Stationen Köln-Nippes (63,65 Prozent) und Leverkusen-Küppersteg (69,65 Prozent). Den dritt- und viertletzten Platz belegen mit Köln-Longerich (72,71 Prozent) und Köln-Worringen (72,93 Prozent) zwei weitere Kölner Bahnhöfe. Die in den vergangenen Jahren stets auf den hinteren Plätzen gelandeten Stationen der Eifel-Bördebahn (RB 28) konnten aufgrund von erfolgten Modernisierungsarbeiten größtenteils deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Die Bewertung erfolgte sowohl in den Zugangsbereichen als auch auf den Bahnsteigen.

Für NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober ist der große Anstieg der Stationen im roten und gelben Bereich ein alarmierendes Zeichen: „Wir mussten feststellen, dass es im vergangenen Jahr noch einmal einen Anstieg bei den Vandalismus- und Graffitifällen gegeben hat. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass durch die starke Abnahme an Fahrgästen durch die Corona-Pandemie auch die soziale Kontrolle an den Stationen nicht mehr wie gewohnt gegeben war. Dies werden wir jedoch so nicht hinnehmen. Wir versuchen, die Stationsbetreiber im Kampf gegen die Verwüstungen und Schmierereien zu unterstützen. Aus diesem Grund hat der NVR hier seine finanzielle Förderung in diesem Jahr bereits erhöht.“

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