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Die Voraussetzungen schaffen

04.03.21 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Im Grunde bringt der Netzbeirat auf den Punkt, worüber andere nicht so gerne sprechen: Die Stellung der Eisenbahn im Wettbewerb der Verkehrsträger ist die entscheidende Aufgabe der Branche. Dem muss sich alles andere unterordnen. Damit ist ganz konkret der Modal Split gemeint, also der Anteil des Verkehrsträgers Schiene am Gesamtmarkt. Da nutzt es nichts, über ein vermeintlich gestiegenes Fahrgastaufkommen auf der Schiene Jubelmeldungen herauszugeben, wie bestimmte Branchenverbände das gerne tun.

Denn im Moment ist die Eisenbahn nur ein Randprodukt im Verkehrssektor. Das mag regional unterschiedlich sein, wo es im urbanen Raum gute S-Bahnsysteme gibt, ist sicher auch der Anteil der Schiene höher, aber bundesweit im Durchschnitt kann man noch immer nicht von einem Erfolg sprechen. Hin und wieder heißt es auf Nachfrage, dass der Anteil am Modal Split seit den 1990er Jahren nicht mehr gesunken sei, wie das in der Zeit der alten Behördenbahn immer wieder der Fall war.

Aber irgendwann ist das Niveau so niedrig, da geht es eben nicht mehr weiter runter. Die Captive Rider gibt es immer. Wobei: Der Spruch lautet „Minister kommen und gehen, die Ministerialbürokratie bleibt“, gerade deshalb indes hat man leider häufig Verkehrsminister, die sich in die Themen neu einarbeiten müssen und die sich auch beeindruckt zeigen, wenn das Fahrgastaufkommen einmal mehr gestiegen ist. So leid es mir tut, aber nicht wenige Verkehrspolitiker, die ihren Posten über Partei- oder Regionalproporz erhalten haben, haben den Begriff Modal Split noch nie gehört.

Dabei braucht man eine starke, ausreichend finanzierte Schiene. Eine ausreichend finanzierte Schiene definiert sich aber gerade auch über auskömmliche Verkehrsverträge: Bundesweit sind in den letzten Jahren viele Verkehrsverträge, die zum Beginn ihrer Laufzeit noch sehr lukrativ waren, in die roten Zahlen gefahren: Höhere Bauaktivitäten, Lohnabschlüsse und gestiegene Ausbildungskosten haben dafür gesorgt, dass Gewinne zu Verlusten werden. Kein Unternehmen kann aber langfristig mehr Geld ausgeben als einnehmen.

Auch hier gilt es gegenzusteuern, wenn man auf dem Netz noch eine ausreichende Zahl leistungsfähiger Unternehmen haben möchte. Die braucht man nämlich, wenn man eine hohe Qualität sicherstellen will. In diesen Tagen haben wir das zehnjährige Jubiläum des Abellio-Urteils begangen, also des BGH-Beschlusses, der Direktvergaben im SPNV im Regelfall untersagt hat.

Wenn man sich die Qualität der Fahrzeuge heute ansieht und dann mit der Zeit vor 2011 vergleicht, dann wird man feststellen, dass die Eisenbahn einen erheblichen Qualitätssprung gemacht hat. Diesen gilt es fortzusetzen. Hier sind alle gefragt, wenn man im großen Stil Menschen auf die Schiene locken möchte, die bislang noch regelmäßig mit dem Auto fahren und die auch die Möglichkeit haben, das im Fall fortgesetzter oder wiederholter Schlechtleistungen erneut zu tun. Hier braucht man eine ganze Reihe Voraussetzungen, die man beim Netz und dem Verkehr darauf erfüllen muss.

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