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Vegetationspflege mit künstlicher Intelligenz

21.08.20 (Allgemein) Autor:Stefan Hennigfeld

Für einen sturmsicheren Vegetationsbestand erfasst die Deutsche Bahn jetzt Bäume aus dem Weltall. Satelliten erfassen den Baumbestand, den Abstand der Vegetation zu Gleisen sowie die Wuchshöhe der Gehölze deutschlandweit. Das Startup LiveEO wertet die Satelliten-Bilder aus und erstellt daraus digitale Vegetationskarten entlang von Bahnstrecken. Die DB kann so besonders sturmanfällige Bäume noch besser identifizieren und rechtzeitig behandeln.

„Wir wollen für unsere Fahrgäste bei jedem Wetter verlässlich sein“, so DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. „Mit der Technologie von LiveEO haben wir einen besseren Überblick über die Vegetation entlang unserer Strecken. Damit können wir Auswirkungen des Klimawandels noch besser begegnen.“

Etwa siebzig Prozent der DB-Gleise führen durch Gebiete mit Baumbestand. Die Bahn hat die Vegetationspflege entlang ihrer Strecken in den letzten Jahren bereits deutlich erweitert, um sturmsicherer zu werden. Neben dem Rückschnitt am Gleis und der Förderung stabiler Baumarten zählt eine intensivierte Inspektion der Vegetation dazu.

Für dieses Programm hat die Bahn personell und finanziell deutlich aufgestockt – 125 Millionen Euro stehen jährlich für die Vegetationspflege zur Verfügung. Gemeinsam mit LiveEO erstellt die DB nun eine digitale Karte, die die Ressourcenplanung unterstützt und priorisiert. Dabei stellt die Technik sicher, dass ausschließlich die Vegetation erfasst wird.

LiveEO hat eine Methode für Erdbeobachtungen großflächiger Gebiete entwickelt, bei der Satellitenaufnahmen mit Machine Learning, einem KI-Verfahren, auswertet werden. In Zusammenarbeit mit der DB konnte LiveEO die Anwendung verbessern und das erste Mal erfolgreich einsetzen. LiveEO hat 2018 am Startup-Förderprogramm in der DB mindbox teilgenommen.

Mit dem Programm fördert die Deutsche Bahn Jungunternehmer und Gründer. Startups, die Ideen zu Verbesserungen für die Bahnkunden haben, unterstützt die DB für hundert Tage – unter anderem mit umfangreichen Coachings sowie 25.000 Euro Startkapital. Hinzu kommen das Live-Testing von Prototypen und Coworking in der DB mindbox.

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