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DB AG und Lufthansa: Mal Partner, mal Konkurrenten

23.07.20 (Fernverkehr, Kommentar, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Wenn man bei der DB Fernverkehr AG die Zugverbindungen zwischen dem Raum Köln/Düsseldorf einerseits sowie München und Berlin andererseits intensiviert, dann ist das natürlich auch eine Reaktion darauf, dass die Lufthansa, wenn auch mit dem Eurowings, auf gerade diesen Relationen sehr häufig fliegt. Konkurrenz belebt das Geschäft und so wie sich DB AG und Eurowings im nationalen Bereich gegenseitig zu Höchstleistungen treiben, so haben sie aber im Interkontinentalverkehr gemeinsame Interessen – und kooperieren.

Mal steht man in Konkurrenz zueinander, mal arbeitet man zusammen, wenn es passt; man aber konstant über Jahre und Jahrzehnte hinweg immer wieder miteinander zu tun. Die beiden Unternehmen sind Stakeholder: Weder natürliche Verbündete noch natürliche Feinde, aber sie treffen immer wieder aufeinander. Und natürlich kann man mit dem ICE aus Nordrhein-Westfalen nach München fahren. Man kann aber auch fliegen, in dem Fall sogar von Dortmund aus.

Entsprechend sind die Unternehmen Konkurrenten. Von Düsseldorf startet 14 mal am Tag eine Eurowings-Maschine nach Berlin. Der Flugverkehr ist also in annähernd einem ähnlichen Takt unterwegs wie der Eisenbahnverkehr. Die ICE 2 sind in die Jahre gekommen, technische Defekte häufen sich und das sieht man auch an den zumindest gefühlt regelmäßigen Verspätungen.

Ich selbst sage ganz offen, dass ich seit der Innotrans 2018 nicht mehr mit dem Fernverkehrszug in Berlin war, weil es von Düsseldorf aus mit Eurowings einfach zuverlässiger ist. Das kann sich womöglich ändern mit den neuen Zügen. Mir fällt immer wieder auf, dass es im Regionalverkehr doch eine deutlich höhere Zuverlässigkeit zu geben scheint. Wahrscheinlich, so mutmaße ich, liegt das an dem ökonomischen Druck, der durch Aufgabenträger kommt.

Die Zeiten der Kuschelverträge im SPNV ist vorbei und die Züge werden dann zuverlässiger. Die Konkurrenz durch den Flugverkehr ist nämlich nicht so leicht messbar wie die Pönalisierung durch den Aufgabenträger. Und doch sieht man, dass etwas passieren muss. Die Fernverkehrspolitik besteht nicht mehr nur daraus, dass man jedes Frühjahr bekanntgibt, welche Leistungen im Dezember ersatzlos gestrichen werden, sondern man unternimmt wieder was – man schließlich ein Unternehmen und keine Unterlassung.

Das gilt auch für den interkontinentalen Flugverkehr. Hier ist die DB AG kein Konkurrent für die Lufthansa, sondern sie kann den Flugverkehr ergänzen. Bereits am Bahnhof einchecken und mit dem ICE zum Flughafen fahren – das soll öfter möglich werden und dafür sorgen, dass mehr Menschen mit dem Zug zum Flughafen fahren statt mit dem Auto und dort für oft mehrere Wochen einen Parkplatz anmieten müssen.

Hier können also beide Konzerne wieder zusammenarbeiten und ein gemeinsames Produkt auf die Beine stellen. Und das ist auch gut so – beide haben das Ziel, Geld zu verdienen. Darum ist es richtig, ideologische Gräben zuzuschütten. Denn beide werden langfristig immer wieder miteinander zu tun haben.

Siehe auch: DB AG stärkt den SPFV

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