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Die Digitalisierung vorantreiben

20.04.20 (Kommentar, NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Es ist naheliegend, dass man gerade im urbanen Raum, wie etwa der Region Köln-Bonn, die Digitalisierung so schnell es geht vorantreiben will. Richtigerweise spricht man gerade die Gelegenheitsfahrer an, in einer Zeit, in der das Barsortiment einer der wichtigsten Faktoren ist. Natürlich wird auch der Zeitkarteninhaber diese auf dem Smartphone speichern können, doch der braucht weder eine Bestpreis-Abrechnung noch muss der befürchten, versehentlich das falsche Ticket zu kaufen oder gar aufgrund eines nicht ausreichend qualifizierten Verkäufers in einer Tankstelle, Lottobude oder Buchhandlung ohne Vorsatz zum Schwarzfahrer zu werden.

Die Bedienung mit dem Smartphone wird daher dafür sorgen, dass viele potentielle Kunden ihren Zugangshürden verlieren, die tatsächlich nicht selten ganz wesentlich mit irrationalen Befürchtungen über die nur auf den ersten Blick zu komplexen Tarifsystem. Doch wenn ich einfach in der App „Start“ drücken muss und der Kollege Computer womöglich selbst erkennt, dass die Fahrt nun beendet ist, dann ist diese Befürchtung für viele weg.

Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Senioren als „Silversurfer“ Smartphones für sich entdecken und in eine Technologie einsteigen, die längst nicht mehr nur von jungen Menschen genutzt wird. Natürlich muss man da einige rechtliche Rahmenbedingungen klären: Die Vertraulichkeit der Daten und auch die Beweislast bei möglichen Fehlfunktionen. Das sind Einwände, die ihre Berechtigung haben, die aber als Argumente nicht so stichhaltig sind, dass man gänzlich auf diese Form des Fortschrittes verzichten sollte.

Und wer allen Regelungen zur Vertraulichkeit zum Trotz immer noch Bedenken hat, der kann seinen Einzelfahrschein nach wie vor gegen Bargeld am Verkaufsautomaten erwerben. Diese werden zwar weniger, aber nicht abgeschafft. Diese könnten auch gar nicht abgeschafft werden, weil das Bargeld nach wie vor einen extrem hohen rechtlichen Stellenwert hat. Ein Verkehrsunternehmen ist verpflichtet, Bargeld anzunehmen, nicht aber, Möglichkeiten zur bargeldlosen Zahlung vorzuhalten. Das Thema ist beim Fahrscheinverkauf beim Busfahrer auch heute noch von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung.

Deshalb treiben wir die Digitalisierung voran und verweisen die Kritiker auf die Freiwilligkeit. Denn Digitalisierung ist auch etwas, das wir aus der aktuellen Corona-Krise mitnehmen werden: Viele Konferenzen werden in Zukunft nicht mehr auf der Präsenzebene stattfinden, sondern mit Programmen wie Microsoft Teams oder Google Hangout stattfinden. Ob sich das bei den Geschäftsreisenden im Eisenbahnverkehr auswirken wird? Es bleibt abzuwarten.

In einigen Jahren wird man das Vorkrisenniveau aber wieder erreichen. Die Planungen und Umsetzungen der Verbesserungen rund um den Eisenbahnknoten Köln sollten daher in jedem Fall fortgesetzt werden. Durch den temporären Einbruch der Fahrgastzahlen hat man sicher etwas mehr Luft zum Atmen, aber eine umfassende Vorbereitung auf eine Zukunft mit deutlich mehr Verkehr bleibt unverzichtbar.

Siehe auch: VRS legt Fahrtenbilanz 2019 vor

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