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Schiene, Verkehr und Kultur

26.03.20 (Kommentar, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Auch wenn die aktuelle Corona-Situation die Nachrichtenlage beherrscht, so ist es wichtig, dass der normale Alltag, wenn auch mit Einschränkungen, weitergeht. Dazu gehört auch, dass man ein schwebendes Denkmal wie den Wuppertaler Kaiserwagen erhält und fit für die Zukunft macht. Natürlich ist das 150jährige Bestehen der Schwebebahn in den frühen 2050er Jahren jetzt sehr weit weg, aber wir sehen hier, dass die weltbekannte und einzigartige Schwebebahn mehr ist als nur ein Fortbewegungsmittel oder das Wahrzeichen einer Stadt.

Wer erinnert sich nicht an den Elefanten Tuffi, der seinerzeit aus der fahrenden Schwebebahn gefahren ist? Ja, diese Geschichte gibt es wirklich, das ist im Jahr 1950 passiert: Der Zirkus Althoff kam nach Wuppertal und die vier Jahre alte Elefantenkuh Tuffi war bereits mit U-Bahnen gefahren oder hat Fernsehtürme besucht. Doch die quietschenden Züge der Schwebebahn waren zu viel für das Tier, für das der Zirkus vier Fahrscheine lösen musste.

Tuffi geriet in Panik und sprang aus dem Zug. Es gab übrigens niemanden, der in diesem Moment an Fotos gedacht hätte. Ein weit verbreitetes Bild ist eine später entstandene Fotomontage. Der Zug hatte zudem erheblich Schlagseite, sodass die an Bord verbliebenen Menschen gefürchtet haben, mitsamt der Bahn abzustürzen. Das ist nicht passiert und man konnte den Zug an der nächsten Station verlassen. Er wurde dann in die Hauptwerkstatt in Wuppertal-Vohwinkel gebracht und dort repariert.

Heute noch erinnert eine Milchprodukt-Marke an die legendäre Elefantenkuh. Jede Tuffi-Milch im Kühlschrank ist eine kleine Ehrung an die Wuppertaler Schwebebahn und ihre Bedeutung über die reine Verkehrspolitik hinaus. Und viele Wuppertaler haben einst im Kaiserwagen geheiratet: Das wird langfristig möglich sein, sodass die gute Stube der Stadt der einzige Ort ist, an dem man bei seiner Hochzeit in der Luft hängt.

Das geht deutlich über die relativ spröde Frage nach urbaner Mobilitätsverfügbarkeit hinaus. Für Technik-Freaks ist zudem der Bau des Sonnborner Autobahnkreuzes in den 1970er Jahren interessant: Der Betrieb der Schwebebahn ruhte einige Wochen und das Gerüst wurde hydraulisch angehoben und auf neue Träger gesetzt.

Nicht weniger spektakulär ist die Neugestaltung im Bereich Alter Markt im Ortsteil Barmen: Hier muss eine riesige Kreuzung überquert werden und die Station bildet das Gegengewicht zur Hängekonstruktion über der Kreuzung. Sie sehen: Kaiserwagen hin oder her, die Wuppertaler Schwebebahn strahlt eine riesige Faszination aus.

Es ist die Einmaligkeit der gesamten Konstruktion und nicht umsonst hat der Westdeutsche Rundfunk bei der „Liste der Dinge, die man in NRW tun sollte“ eine Fahrt mit der Wuppertaler Schwebebahn aufgenommen. Doch wenn man sich all einmal nicht zu Herzen nimmt, sondern die Schwebebahn ganz nüchtern sieht: Eine solche Hängebahn ist auch heute noch wirtschaftlicher als eine U-Bahn und schwebt über den Verkehrsprobleme. Die Schwebebahn ist alt, aber längst nicht von gestern.

Siehe auch: Wuppertal: Kaiserwagen wird restauriert

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