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Die Richtung stimmt in Bonn

04.11.19 (Kommentar, NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Man kann natürlich lang und breit darüber diskutieren, ob die flächendeckende Umstellung von Busflotten auf elektrische Traktion oder irgendeine andere, noch immer nicht marktfähige Antriebsform zukunftsfähig ist oder nicht. Wenn ich sage, dass der Dieselbus auf Dauer Teil der Lösung und nicht Teil des Problems ist, dann weiß ich durchaus, dass ich damit eine Minderheitsmeinung in der ÖV-Branche vertrete.

Ich erinnere mich aber an diverse Debatten, bei denen ich Minderheitsmeinungen hatte und am Ende hat sich die Mehrheit eben gerade nicht durchgesetzt. Wie war das mit dem vermeintlich so wichtigen neuen Recht auf Direktvergabe kurz nach dem Abellio-Urteil? In einem aber unterstütze ich sehr wohl die Mehrheitsmeinung: Wir brauchen einen besseren ÖPNV und wir dürfen diese nicht nur als Kostenfaktor sehen.

Der ÖPNV ist ein wichtiger Standortvorteil. Wie kommt denn ein Geschäftsreisender vom Hauptbahnhof oder vom Flughafen weiter zum Hotel und zu der Firma, zu der er will? Und ein gutes Netz neuartiger Mobilität (Bikesharing, Carsharing, Taxiruf per App …) bildet sich eben nicht von alleine, sondern es braucht vor Ort engagierte Kommunalpolitiker, die sich mit solchen Dingen beschäftigen und vorantreiben.

Dieses Engagement ist natürlich auch in den Führungsetagen der Verkehrsunternehmen wichtig: Es braucht überall Menschen, die guten Ideen gegenüber aufgeschlossen sind. Engagierte Unternehmenslenker, die zuhören können und die für gute Argumente offen sind, egal von wem sie kommen, sind die Grundvoraussetzung für eine bessere urbane Mobilität ohne (eigenes) Auto.

Gerade als geschäftlich oder touristisch reisender Gast brauche ich zudem die Möglichkeit, mit dem eigenen Smartphone problemlos meinen Fahrschein zu kaufen. Ich möchte mich in Bonn bewegen können, ohne dass ich die VRS-App brauche oder mich mit irgendwelchen Fahrscheinautomaten rumärgern muss. Es muss möglich werden, hier gemeinsame Schnittstellen zu schaffen, da sind die Verbünde gefordert, aber auch der VDV, der hier wirklich mal eine koordinierende Rolle einnehmen könnte.

Wichtig ist auch, dass der regelmäßige Austausch nicht nur pro forma stattfindet, sondern dass eine Kultur des Voneinander-Lernens und Miteinander-Sprechens entsteht, damit man vieles deutlich unkomplizierter machen kann als es derzeit der Fall ist. Denn vergessen wir nicht: Die Konkurrenz ist jederzeit da. Ein Geschäftsreisender kann mit dem Zug kommen, er kann aber auch mit dem Auto kommen. Auch für Touristen ist bei Städtereisen das Auto immer eine Alternative.

Wer aber einen starken und guten ÖPNV möchte, der muss sich von Verbots- und Regulierungsphantasien dem Autofahrer gegenüber lösen, sondern sich auf die eigenen Stärken fokussieren: Wie können wir besser werden, wie können wir unser Produkt attraktiver machen? Was können wir tun, um die Fahrgäste anzulocken, die im Moment noch mit dem Auto fahren? Hier geht man in Bonn definitiv in die richtige Richtung. Das muss das Vorbild für viele andere deutsche Großstädte sein.

Siehe auch: Bonn: Neue Lösungen für den ÖPNV der Zukunft

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