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Bonn: Modernisierung läuft weiter

22.08.19 (NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Das Projekt Zweiterstellung, unter dessen Dach die Modernisierung der B-Wagen für die Bonner Stadtbahn läuft, geht weiter voran. In der letzten Woche war eine Besuchergruppe am Standort Bonn-Beuel und konnte sich vom aktuellen Stand ein eigenes Bild machen. Die Stadtwerke sind Teil der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie, die sich wiederum als Bonns Beitrag zur systematischen Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit deren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen versteht.

Mit diesen Zielen sollen gemeinsam globale Probleme wie Klimawandel, Artensterben, Armut, Hunger und weltweite Konflikte angegangen und die Gesellschaft sozial gerecht und wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig gestaltet werden. Wie nachhaltig auf vielen Ebenen das Großprojekt „Zweiterstellung“ ist, erklärte Sebastian Gräbner, stellvertretender Fachbereichsleiter, den Besuchern beim Rundgang durch die riesige Halle, in denen drei mehr als 30 Meter lange Stadtbahnwagen in ganz unterschiedlichen Modernisierungsstadien standen.

Denn bei der „Zweiterstellung“ werden insgesamt 25 Stadtbahnen der Baujahre 1973 bis 1977 komplett entkernt und dann mit neuer Technik und in neuem Design unter Berücksichtigung fortgeschrittener Standards auch in Sachen Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Design wieder aufgebaut. „Die Stadtbahnen werden unter anderem mit einer neuen Antriebstechnik versehen, die statt mechanisch und elektronisch arbeitet und rückspeisefähig ist“, beschrieb Gräbner: „Ähnlich wie etwa beim Fahrraddynamo wird die beim Bremsen freigesetzte Energie genutzt und über die Oberleitung zurück ins Netz eingespeist, so dass sie von anderen Bahnen bei Bedarf genutzt werden kann.“

Dass das Projekt auch Ressourcen schont, erfuhren sie außerdem: Mehr als die Hälfte des Materials der Bahnen wird wiederverwendet, zugleich werden moderne Materialien etwa als Dämmstoffe und Sitzbezüge neu eingebaut. 20.000 Bauteile werden bei der Ertüchtigung eines einzigen Stadtbahnwagons angefasst und eingepasst und fast sechzig Kilometer Kabel verlegt, sagte Gräbner. Durch das Projekt sind darüber hinaus 15 Arbeitsplätze bei den SWB neu entstanden, die meisten davon als Elektriker und Mechaniker. Auch Kosten würden gespart.

„Die Zweiterstellung kostet pro Wagen 1,3 Millionen Euro, ein neuer Stadtbahnwagen mindestens drei Millionen Euro.“ Auch wegen ihrer Solidität und des hohen Komforts der Luftfederung, auf die die Fahrgäste auch bei den modernisierten Wagen nicht verzichten müssen, ist 2007 die Entscheidung pro Modernisierung contra Neukauf der Züge gefallen. 2012 wurde der Prototyp fertig.

Seitdem erfolgt die Zweiterstellung in Beuel in Kooperation mit dem Betriebshof in Dransdorf, wo die Lackierarbeiten durchgeführt werden. Die Fahrzeuge sind einerseits am neuen grau-weiß-roten Design zu erkennen und andererseits an der überarbeiteten Frontpartie. Diese unterscheidet sich vollständig vom ursprünglichen Erscheinungsbild.

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