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NVR: Spürbare Verschlechterungen

17.06.19 (NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Aufgabenträger Nahverkehr Rheinland (NVR) hat seinen jährlichen Qualitätsbericht publiziert. Im Jahr 2018 hat es zwar Fortschritte beim Fahrzeugzustand und eine Verbesserung des Sicherheitsgefühls in den Fahrzeugen gegeben. Bei den zentralen Kriterien der Angebotsqualität sind hingegen spürbare Verschlechterungen zu verzeichnen. Dies gilt sowohl für Zugausfälle, Pünktlichkeit als auch für die Kapazität.

Zunehmend gibt es Probleme, den Bahnbetrieb stabil zu halten. Gründe hierfür sind vor allem eine nicht mehr ausreichend bemessene Bahninfrastruktur und die weiter steigende Anzahl von Baustellen. Immer häufiger kommt es zu überfüllten und verspäteten Zügen. Dies liegt auch daran, dass es die Eisenbahnverkehrsunternehmen immer häufiger nicht mehr schaffen, die vertraglich vereinbarten Mindestkapazitäten auf die Gleise zu bringen: Der Ausfall der Sitzplatzkapazitäten ist bereits im dritten Jahr hintereinander angestiegen.

Auf den Regionalexpress (RE) -Linien fielen 2,7 Prozent der Sitzplatzkapazitäten aus (2017: zwei Prozent), auf den Regionalbahn (RB)-Linien 2,4 Prozent (2017: 1,5 Prozent) und auf der S-Bahn 2,3 Prozent (2017: 1,1 Prozent). Diese Kapazitätsausfälle wurden meist durch eine mangelnde Fahrzeugverfügbarkeit verursacht, beispielsweise durch verunfallte Fahrzeuge auf den Linien RE 7, RB 48 und im Kölner Dieselnetz

„Alle Beteiligten sind sich bewusst, dass wir eine Verbesserung nur durch einen erheblichen Ausbau der Infrastruktur erreichen können. Daher freut es uns, dass wir Anfang dieses Jahres durch die Unterzeichnung von weiteren Planungsvereinbarungen für den Ausbau des Kölner Bahnknotens einen wichtigen Schritt weiter gekommen sind“, so NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek.

Sedlaczek: „Abgesehen vom notwendigen Infrastrukturausbau müssen wir SPNV-Aufgabenträger uns fragen, welche Stellschrauben wir haben, um eine höhere Qualität zu erzeugen. Dies betrifft beispielsweise eine deutlich höhere Vorgabe an Reservefahrzeugen, das Nichtzulassen von planmäßigen Kurzwenden oder auch das Unterlassen der Integration neuer Halte, die nicht bereits gesetzt sind, in einen eh schon angespannten Fahrplan. Dies wird zwar erhebliche Finanzmittel binden. Das sollte uns eine Verbesserung der Qualität aber auch wert sein.“

Für Verspätungen im Nahverkehr sorgen neben Überholungen durch den Fern- und Güterverkehr unter anderem Trassensperrungen aufgrund von Personenunfällen oder anderen Ursachen sowie Langsamfahrstellen, Baustellen und die Störungsanfälligkeit bestimmter, stark belasteter Streckenabschnitte. Ebenso spielen die durch die hohe Auslastung der Züge bedingten längeren Fahrgastwechsel eine große Rolle.

Besonders betroffen sind hier die langlaufenden Regionalexpress (RE)-Linien RE 1, RE 5, RE 6 und RE 7. Insgesamt haben sich die RE-Linien auf etwa drei Minuten und zwanzig Sekunden verschlechtert (2017: 3:13 Minuten). Bei den Regionalbahnen liegt die durchschnittliche Verspätung bei zwei Minuten sieben Sekunden (2017: 1:49 Minuten). Bei den S-Bahnen hat die durchschnittliche Verspätung um etwa 12 Prozent zugenommen: von einer Minute und 16 Sekunden auf eine Minute 25 Sekunden.

Die Pünktlichkeit der Züge im NVR-Gebiet hat im Jahr 2018 insgesamt erneut deutlich abgenommen: Im Durchschnitt aller Fahrten kam eine Verspätung von zwei Minuten und 15 Sekunden zustande. Dies entspricht einem Anstieg um gut sieben Prozent im Vergleich zu 2017 (zwei Minuten und sechs Sekunden). Bei den Zugausfällen konnte sich lediglich der Bereich der S-Bahnen stabilisieren. Hier stieg die Ausfallquote von 3,2 Prozent in 2017 nur leicht auf 3,5 Prozent an.

Bei den RE-Linien kam es zu einem Sprung auf 8,3 Prozent (2017: 6,3 Prozent). Der größte Anstieg ist jedoch bei den RB-Linien zu verzeichnen. Nachdem 2016 noch eine Verbesserung gemessen wurde, kam es diesmal zu einem Anstieg von 3,5 Prozent in 2017 auf 9,7 Prozent in 2018. Zurückzuführen ist dies bei den baustellenbedingten Ausfällen auf die Baumaßnahme zwischen Aachen und Rheydt.

Trotz der knappen Kapazitäten kam es 2018 zu einem leichten Anstieg der Fahrgastzahlen. Die Nachfrage stieg im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um knapp ein Prozent an. Dies bedeutet insgesamt einen Wert von durchschnittlich 436.000 Fahrten an den Werktagen. Der stärkste Zuwachs ist bei den S-Bahnen zu verzeichnen. Der Wert stieg im letzten Jahr um 1,76 Prozent. Bei den RB-Linien kam es hingegen zu einem leichten Rückgang um 0,75 Prozent.

Siehe auch: Die eigenen Stärken nutzen

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