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Köln: S11-Vorzugsvariante veröffentlicht

29.04.19 (NVR, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Knapp ein Jahr nach Beginn der Bürgerbeteiligung zum Ausbau der S 11 von Köln nach Bergisch Gladbach ist die Vorplanung abgeschlossen. Das Projektteam, bestehend aus dem Land Nordrhein-Westfalen, dem Nahverkehr Rheinland (NVR) und der Deutschen Bahn, veröffentlichte am letzte Woche Details zur Vorzugsvariante. Darunter versteht man den aktuellen Planungsentwurf, in den die Anregungen der Bürger so weit wie möglich eingeflossen sind.

„Wir investieren in frühzeitige Bürgerbeteiligung“, sagte Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU). „Das ist gut angelegtes Geld. So treiben wir den Ausbau der Linie S 11 voran und sorgen für Tempo.“ Zu den größten Planungsänderungen aufgrund von Bürgerwünschen gehört der barrierefreie Umbau weiterer Stationen, die bisher nicht im Projekt enthalten waren. Außerdem wurde der neu geplante Haltepunkt Köln-Kalk West in seiner Lage optimiert.

Angesichts der Vielzahl an Wünschen beschränkt sich die Übersicht auf zentrale Themen, die von mehreren Bürgern geäußert wurden. Auf vielfachen Wunsch der Bürger verständigten sich das Land Nordrhein-Westfalen, der NVR und die DB darauf, die bestehenden Bahnsteige der Haltepunkte Köln-Holweide, Köln-Dellbrück und den vorhandenen Bahnsteig in Duckterath zusätzlich in das Projekt aufzunehmen und auf 96 Zentimeter Bahnsteighöhe zu erhöhen.

Dies ermöglicht den barrierefreien Einstieg in die S-Bahn. Die Maßnahmen werden durch verschiedene Landes-, Bundes- und DB-Programme finanziell gefördert. In Köln Messe/Deutz werden die Bahnsteige des Regionalverkehrs („Deutz/hoch“) auf der Ostseite über den sogenannten „KVB-Tunnel“ barrierefrei über Aufzüge mit der U-Bahn verbunden. Auch das Fernverkehrsgleis 12 in Deutz tief erhält barrierefreie Zugänge.

Um auch auf der Westseite vom Empfangsgebäude her Komfortverbesserungen zu erzielen, werden dort Rolltreppen geplant. Im Ergebnis wird damit die S11 vom Kölner Hauptbahnhof bis Bergisch Gladbach durchgehend barrierefrei zugänglich sein. Die konkrete Ausstattung der Bahnsteige wird im weiteren Verlauf der Planung geklärt. Nach dem Ausbau der S 11 soll der S-Bahn-Takt von bisher zwanzig auf zehn Minuten verkürzt werden.

Die Projektpartner stehen bei der Suche von guten, verträglichen Planungsalternativen in engem Austausch mit Naturschutzverbänden und –vereinen, da die Bahnstrecke zwischen Köln-Dellbrück und Bergisch Gladbach durch das Naturschutzgebiet Thielenbruch führt. Die Umweltschützer bringen wichtige Anregungen zum Erhalt des Naturschutzgebietes ein. Viele Bürger setzen sich hingegen sehr intensiv für den zweigleisigen Ausbau ein, um die S 11 in Zukunft pünktlicher und zuverlässiger zu machen.

Die Untersuchungen aus der Vorplanung stützen die Notwendigkeit eines zweigleisigen Ausbaus, um den Zehn-Minuten-Takt bis Bergisch Gladbach zuverlässig realisieren zu können. Die Vorzugsvariante enthält deshalb eine durchgehend zweigleisige Trasse, die mit Blick auf einen möglichst geringen Flächenverbrauch geplant ist. Im Thielenbruch wurden zusätzliche Maßnahmen im Sinne des Naturschutzes in die Vorzugsvariante aufgenommen.

Dazu gehören Durchlässe für verschiedene Tierarten an der Strecke und ein Grundwassermonitoring bereits im Vorfeld möglicher Baumaßnahmen. Weitere Anregungen von Naturschutzverbänden zu möglichen Ausgleichsmaßnahmen für den Flächenbedarf beim Ausbau werden derzeit noch geprüft. Zur Erschließung des neuen Stadtquartiers auf dem ehemaligen Gelände der Chemischen Fabrik Kalk ist die neue Station Kalk West geplant.

Auf Höhe des Odysseums soll ein 150 Meter langer Mittelbahnsteig entstehen. Ursprünglich sahen die Planer der DB einen Zugang zum Bahnsteig über die Straße des 17. Juni vor, weil auf diese Weise die gesamte Station auf DB-Grund liegen würde. Im Beteiligungsprozess merkten die Bürger übereinstimmend kritisch die Lage der Bahnsteigzugänge an der Hauptverkehrsstraße an, die abseits der Laufwege im Viertel liegt

Daraufhin verständigten sich die DB und die Stadt Köln, die Zugänge zur Station nach Süden zu verlegen, auf teilweise städtischen Grund. Von der Wohnbebauung zur S-Bahn-Station sind die Laufwege dadurch kürzer. Im Frühjahr 2018 gingen über 300 Rückmeldungen ein und mehr als 600 Besucher kamen zu den Infomessen in Köln und Bergisch Gladbach.

Siehe auch: Den Bürger mitnehmen

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