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Das Ende der Fahnenstange?

25.04.19 (Kommentar, NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Argumente, die der Verkehrsverbund Rhein-Sieg anführt, warum es mit dem Fahrgastwachstum nicht weitergeht, sind stimmig. Die Busse und Bahnen sind voll und größere Leistungsausweitungen sind nicht so ohne weiteres möglich, weil die Infrastruktur fehlt. Stand jetzt ist also wirklich das Ende der Fahnenstange erreicht.

Es mag ja auf hohem Niveau Veränderungen wegen Unwettern, Streiks oder ähnlichem geben, aber ob die Fahrgastzahl jetzt um 0,15 Prozentpunkte sinkt oder um 0,2 Prozentpunkte steigt ist am Ende aller Tage auch gar nicht so entscheidend: Man bleibt ungefähr konstant, weil es ja auch gar keine Möglichkeit mehr gibt, nennenswert mehr Fahrgäste aufzunehmen.

Und es zeigt sich eben auch, dass selbst stark verbilligte Fahrpreise nicht zwingend zum Erfolg führen, wenn ein Großteil der Nichtfahrer selbst bei kostenlosen Bussen und Bahnen nicht umsteigen würden. Natürlich ist es richtig, die Umsatzsteuer für öffentliche Verkehrsmittel von 19 auf sieben Prozent zu senken, um die Schiene zu fördern.

Es herrscht ja in diesem Bereich ohnehin ein gewisses Wirrwarr, wenn Schulhefte und Windeln mit 19 Prozent besteuert werden, Kaviar und Champagner aber mit sieben Prozent. Doch nichtsdestotrotz braucht man für eine echte Verkehrsverlagerung vom Auto auf Busse und Bahnen ein besseres Angebot: Man braucht auch in der Fläche vernünftige Konzepte, um die Menschen nach Hause zu bringen.

Und man braucht eine ordentliche Verknüpfung von Wohnungs- und Verkehrspolitik. Gerade im Zeitalter der Urbanisierung ist es wichtig, dass Bauland so ausgewiesen wird, dass auch eine gute Erreichbarkeit mit Bussen und Bahnen gewährleistet ist. Dann muss man eben im Rahmen einer neuen Trabantenstadt (Warum ist dieser Begriff aus den 70er Jahren eigentlich so verpönt?) auch die Stadtbahn dorthin verlängern.

Gerade rund um Köln kann man die Anbindung der wachsenden Städte im Umland (es kann eben nicht jeder zwischen dem Dom und dem Millowitsch-Theater wohnen) sehen: Hier hat es in der Vergangenheit durchaus Leistungsausweitungen gegeben, etwa auf der Siegachse bis Hennef oder Richtung Neuss über Dormagen. Aber der große Schritt, der braucht eine deutlich verbesserte Infrastruktur.

Deswegen ist auch die Knotenanalyse Köln so wichtig: Hier hat man es geschafft, Ausbaupläne vorzulegen, die für sich genommen bereits einen Nutzen entfalten. Aber man muss diese Knotenanalyse ergänzen: Im Moment hat man hier nur die Eisenbahninfrastruktur von DB Netz berücksichtigt. Die Kölner Stadtbahn, die ja im urbanen Verkehr eine nicht minder wichtige Rolle spielt, ist noch nicht berücksichtigt.

Im Grunde bräuchte man eine Knotenanalyse 2.0 oder zumindest eine Ergänzung, denn der Kölner Schienenverkehr besteht nun einmal aus diesen beiden Komponenten. Wenn man sich das klarmacht, kann man es auch schaffen, rund um Köln dafür zu sorgen, dass es effektive Verkehrsverlagerungen von den Staus auf dem Kölner Autobahnring hin zur Eisenbahn gibt.

Siehe auch: VRS: Konstant hohe Fahrgastzahlen

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