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Reden wir über Probleme

14.03.19 (Kommentar, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Stellen Sie sich einen ganz normalen Lauf des NRW-Express durch das Ruhrgebiet vor. Der steht in Dortmund ein paar Minuten zu lang, in Bochum ein paar Minuten zu lang und in Essen wieder. Inzwischen hat er Verspätung und ein womöglich ebenfalls verspäteter Fernverkehrszug muss vorgelassen werden. Wobei das eines der Probleme ist: Selbst wenn Regionalzüge pünktlich sind, haben sie bei verspäteten Fernzügen oft das Nachsehen.

Wie dem auch sei, mit rund zwanzig Minuten Verspätung kommt der Zug jetzt in Köln-Messe/Deutz an. Der Rhein-Sieg-Express Richtung Eitorf ist weg. Sie stehen da und müssen hoffen, dass innerhalb der nächsten Stunde eine S-Bahn fährt. Der NRW-Express indes kommt gut durch den Kölner Hauptbahnhof und kann seine Verspätung bis Aachen auf der Schnellfahrstrecke auf fünf Minuten und dreißig Sekunden aufholen.

Für die Statistik heißt das, dass die Zugfahrt pünktlich war. Dass Sie ihren Anschluss verpasst haben, ist eben Pech. Vor so einem Hintergrund sind die Pläne, weitergehende Statistiken zu führen, nicht zu kritisieren, sondern zu begrüßen. Es ist richtig, dass man auch solche Dinge einfließen lässt. Man weiß zudem durch umfassende Fahrgasterhebungen sehr gut, an welchen Stationen viele Menschen zwischen welchen Linien umsteigen.

Es ist daher überlegenswert, in künftigen Bewertungen auch die Erreichung häufiger Anschlusszüge an neuralgischen Knotenpunkten zu erfassen. Vergessen wir nicht: Wir reden hier nicht darüber, dass man auf schönen Präsentationsfolien zeigen kann, wie toll alles ist, sondern von der Lebensrealität der Menschen im Land.

Wer pünktlich zur Arbeit, zur Ausbildung oder Universität muss, der ist drauf angewiesen, dass die Züge so fahren, wie es im Fahrplan steht und dass Anschlüsse regelmäßig erreicht werden. Deswegen ist es wichtig, über die Frage nach der Statistik heraus die Grundlagen für einen zuverlässigen Betrieb zu schaffen. Das gilt gerade in den Problemjahreszeiten, wenn starker Regen, Sturm, Laubfall oder Schnee eine Rolle spielen.

Wenn in den dunklen und kalten Monaten mehr Menschen auf Busse und Bahnen umsteigen, dann muss man die Gelegenheit nutzen, um diesen zu zeigen, dass es sehr gut ohne das eigene Auto zur Arbeit geht. Dazu gehören zahlreiche Maßnahmen und in der jüngeren Vergangenheit haben sich bereits einige runde Tisch und Kommissionen gegründet, die genau solche Handlungsempfehlungen definieren wollen.

Dazu gehört ohne Frage ein geeigneter Grünschnitt rund um viele Strecken, damit Bäume weder auf Oberleitungen noch auf die Gleise fallen. Bahnhofsdächer müssen in einem so guten Zustand sein, dass man nicht bei einem stärkeren Wind befürchten muss, dass Teile davon wartenden Fahrgästen auf den Kopf fallen.

Auch das hat mit der Aufenthaltsqualität an den Bahnhöfen und in den Zügen zu tun, die am letzten Montag hier Thema waren. Wer regelmäßig zittert, ob er seinen Anschluss kriegt oder bei der Arbeit nicht weiß, ob er nach Feierabend nach Hause kommt, der bleibt als Kunde weg. Denn das Auto steht oft in der Garage.

Siehe auch: Unwetterschäden und Debatte um Verspätungsstatisik

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