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Erste branchenweite Stellenbilanz

28.02.19 (Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Bahnbranche entwickelt sich immer mehr zu einem Jobmotor in der deutschen Wirtschaft. Nach der erstmals erstellten Branchenbilanz der Allianz pro Schiene ist die Zahl der Bahnbeschäftigten zwischen 2015 um 2017 um knapp zwei Prozent auf 245.496 gestiegen. „Dieser Stellenzuwachs ist ein erster Erfolg auf dem Weg zu einem Ausbau des Schienenverkehrs und einer besseren Qualität, reicht aber bei weitem nicht, um den enorm steigenden Bedarf zu decken“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene.

Immerhin zeigt der Aufwärtstrend nach Ansicht von Flege, dass die Bahnbranche als Arbeitgeber durchaus ihren Reiz hat. „Trotz der massiven Kritik an Schienenunternehmen bleibt Lokführer für viele junge Leute ein Traumberuf“, betonte Flege. So sei die Zahl der Lokomotivführer sowie U- und Straßenbahnfahrer in dem Zeitraum 2015 und 2017 um immerhin knapp fünf Prozent auf 43.652 gestiegen. Der Fachkräftemangel spitzt sich allerdings trotz der vermehrten Einstellungen in der Bahnbranche weiter zu.

„Das Stellenwachstum ist erfreulich, hält aber mit dem Wachstum des Schienenmarktes nicht Schritt.“ Scharfe Kritik übte Flege an der von ihm empfundenen Benachteiligung des Schienensektors bei der steuerfinanzierten Aus- und Weiterbildungsförderung. So stellt der Bund im Haushalt 2019 dem Straßengüterverkehr 125 Millionen Euro für die Aus- und Weiterbildung bereit und der Binnenschifffahrt immerhin 2,5 Millionen Euro.

„Die Unternehmen des Schienenverkehrs dagegen gehen leer aus und kommen für die Aus- und Weiterbildung ihres Personals komplett selbst auf. Für diese einseitige Schlechterstellung gibt es keine nachvollziehbare Rechtfertigung.“ Allerdings: Zahlreiche Eisenbahnunternehmen nutzen bei der Ausbildung Langzeitarbeitsloser die sich bietenden Finanzierungsmöglichkeiten durch die Sozialleistungsträger. Diese sind allerdings allgemein gehalten und die Finanzierung obliegt dem Ermessensspielraum der zuständigen Stellen.

Die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt gelten als ein Hauptgrund für Zugausfälle und andere Probleme im Schienensektor. So schätzt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, dass bis 2030 nur im Fahrdienst ungefähr 85.000 Stellen neu beziehungsweise wieder besetzt werden müssen. Allein die Deutsche Bahn will nach eigenen Angaben in diesem Jahr rund 22.000 Mitarbeiter an Bord holen.

Ein besonderes Anliegen der Allianz pro Schiene ist es in diesem Zusammenhang, den noch niedrigen Frauenanteil zu erhöhen. „Frauenförderung war schon immer wichtig, gewinnt aber angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels für die Unternehmen weiter an Bedeutung und wird für sie zu einer der entscheidenden Zukunftsfragen“, sagte Dirk Flege.

Der Frauenanteil liegt laut einer kürzlich veröffentlichten Studie bei führenden europäischen Staatsunternehmen der Bahnbranche bei 20,9 Prozent. Bei Lokomotivführern beträgt er lediglich 2,7 Prozent. Mit mehr Frauen ließen sich künftig auch offene Stellen einfacher besetzen.

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