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An die Zukunft denken

18.02.19 (Fernverkehr, Güterverkehr, NVR, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Es ist inzwischen sieben Jahre her, dass der Knoten Köln als Planungswerk das erste mal der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. Wobei: Das waren auch damals schon größtenteils keine neuen Erkenntnisse, auch wenn man die Planungsvorhaben seinerzeit auf den aktuellen Stand gebracht hat. Und ist man seitdem weitergekommen? Ein ganzes Stück!

Es gibt jetzt mit der Verlängerung der Linie RE 6 endlich die lang ersehnte Bypass-Lösung zwischen Düsseldorf und Köln sowie eine zweite RE-Leistung auf dem hochbelasteten Korridor zwischen Köln, Dormagen und Neuss. Es gibt zahlreiche zusätzliche S-Bahnleistungen rund um Köln, die das starke Verkehrswachstum auffangen sollen.

Gleichzeitig haben sich die politischen Rahmenbedingungen deutlich verbessert: Einerseits gibt es neue Regelungen zu den Trassenpreisen, sodass die Bestellmittel nicht jedes Jahr zugunsten des Bundesunternehmens DB Netz real sinken. Gleichzeitig ist das Marktvolumen insgesamt gestiegen und durch die Verteilung nach dem Kieler Schlüssel und nicht mehr nach dem Jahresfahrplan der alten Bundesbahn von 1993 fließt mehr Geld nach Nordrhein-Westfalen.

Das alles sorgt dafür, dass es nun so aussieht, als könnten größere Leistungsausweitungen bei entsprechender Infrastruktur finanziert werden. Und da ist ein weiterer Punkt: Wenn man in Zukunft die Verkehrsaufträge ausschreibt und Bruttoverträge vergibt, dann verbleibenden die steigenden Markteinnahmen, die durch Fahrgelderhöhungen und ein höheres Verkehrsaufkommen entstehen, beim Aufgabenträger.

Sie fließen nicht als zusätzlicher Gewinn zum Betreiber. Mit dem Geld können dann wiederum weitere Verbesserungen finanziert werden. Der Fahrgast hat also etwas von den gestiegenen Fahrpreisen. Denn auch der aktuelle Stand ist ja nicht der Gipfel oder das Ende des Wachstums. Im Gegenteil: Die Urbanisierung wird sich in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen.

Das gilt für Köln gleichermaßen wie für Hamburg – Sie erinnern sich sicher an das Thema letzten Donnerstag an dieser Stelle – oder Berlin, München und viele andere Großstädte der Republik. Aber es kann eben nicht jeder zentral wohnen. Immer mehr Menschen pendeln zur Universität oder zum Arbeitsplatz. Deswegen ist es so wichtig, bei der künftigen Wohnungsbaupolitik in solchen Regionen eine enge Verzahnung zwischen Verkehrs- und Wohnungspolitik gibt.

Ja, es wird auch in Zukunft wieder Trabantenstädte geben. Diese werden nicht 18 Geschosse haben wie in den 1970er Jahren, aber sie werden in anderer, zeitgemäßer Weise entstehen. Und hier braucht es dann eine gute Anbindung an den SPNV oder den kommunalen Schienenverkehr, damit neue Wohnquartiere auch anständig erschlossen werden.

Und auch hier beginnen die Planungen jetzt. Die verschiedenen Ressorts müssen intelligent miteinander verknüpft werden. Hier spielt nicht nur das liebe Geld eine Rolle, sondern auch Motivation, Kompetenz und Kooperationsbereitschaft der Verantwortlichen. Aber manches kann man eben nur im Team lösen und nicht als Summe der Eigenbrötler.

Siehe auch: Köln: Knotenausbau wird forciert

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