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Schengen auch auf der Schiene umsetzen

28.01.19 (Kommentar, Niederlande, NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Wussten Sie, dass es noch gar nicht lange her ist, da galt zwischen Köln und Düsseldorf der Tarif des großen Grenzverkehrs? Was nach der Berliner Mauer und der deutschen Teilung klingt, verlief über Jahre mitten durch das Rheinland. Erst seit es Kragentarife und das Einfach-Weiter-Ticket gibt, kann man problemlos zwischen den beiden Rheinmetropolen fahren.

Noch vor einigen Jahren hatte ich ein VRR-Monatsticket und brauchte in Bochum ein Anschlussticket für den VRS, weil ich nach Köln musste. Die Dame im Reisezentrum sagte mir, sowas würde es nicht geben, hier sei der VRR. Ich müsse ein Ticket für die komplette Strecke kaufen, auch wenn mein Ticket bis Langenfeld gültig sei.

Es bestünde aber die Möglichkeit, in Düsseldorf auszusteigen, ein Grenztarifsticket zu kaufen und mit dem nächsten Zug weiterzufahren. Ob das damals wirklich nicht ging oder ob die Dame für ihren Job nicht ausreichend qualifiziert war, kann ich nicht beurteilen und das ist auch nicht meine Aufgabe, das zu tun. Ich bin dann mit dem Auto gefahren.

Mit dem Auto komme ich ohne Probleme in den Niederlande, nach Österreich, nach Frankreich, Polen, Dänemark, Tschechien und viele andere Nachbarländer. Auf der Schiene ist das anders. Inzwischen geht es innerhalb der Bundesländer einigermaßen, aber schon ein Regionalverkehrsticket von Altena im Sauerland nach Gießen ist allenfalls im DB-Tarif zu kriegen. Von Fahrten ins Ausland ist da noch gar keine Rede.

Aber es gibt nun einmal die Euregio-Gebiete: Manch ein Aachener hat einen größeren Bezug zu Lüttich als zu Köln oder Bonn. Manch Konstanzer pendelt öfter in die Schweiz als nach Stuttgart und viele Menschen in Kiel sind öfter in Dänemark als in Hamburg. Das ist eben so und gerade in diesen Euregio-Grenzgebieten ist es nötig, durchgehende Verbindungen zu schaffen.

Züge, die nicht nur umsteigefrei sind, sondern auch durchtarifiert. Denn all das, und man muss sich das klarmachen, bietet das Auto jederzeit. Und wenn einem tausend Gründe geliefert werden, warum irgendwas nicht geht oder wieso allein die Forderung, das und das umzusetzen als polemisch abgelehnt wird: Die Alternative mit den vier Gummireifen steht jederzeit in der Garage.

Deshalb ist es jetzt an der Zeit, die Möglichkeiten, die das intuitive Ticketing mit der Digitalisierung bietet, auch für Verbund-, Länder- und Staatsgrenzen zu nutzen. Denn der Gedanke des Schengener Abkommens ist auch auf der Schiene etwas, das man in die Tat umsetzen muss. Man reist ohne Ausweis- und Grenzkontrollen durch verschiedene Staaten Europas.

Das geht aber nicht, wenn man zahllose verschiedene Eisenbahntarife hat und selbst in einer Grenzregion ein halbes Studium investieren muss, um nicht versehentlich mit dem falschen Fahrschein zum Grau- und letztlich auch zum Schwarzfahrer zu werden. Wenn das mit der Verkehrswende und der Verlagerung von Personenverkehr von der Straße auf die Schiene ernstgemeint ist, dann muss diese neue Ernsthaftigkeit mit Leben gefüllt werden. Und das wird jetzt von Aachen nach Maastricht gemacht. Gratulation!

Siehe auch: NVR: Durchgehender Zug bis Maastricht

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