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Ohne Plan und Konzept

13.09.18 (Kommentar, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

In den letzten Jahren von Rüdiger Grube als Vorstandsvorsitzender der DB AG war das Konzernnarrativ irgendwann immer das gleiche: Die Spätfolgen Mehdorn´scher Misswirtschaft schlagen zu und wir kommen nicht mehr zurecht. Je länger Hartmut Mehdorn weg war, desto größer der Schaden, den er angerichtet hat.

Ohne die Zeit zwischen 1999 und 2009 in irgendeiner Form nachträglich schönreden zu wollen, aber auch zwischen 2009 und 2017 gab es erhebliche Fehlsteuerung: Großprojekte wie Stuttgart 21, der zweite S-Bahntunnel in München oder der Rhein-Ruhr-Express wurden und werden zwar immer teurer, kommen aber nicht voran. Auch so gab es kein erkennbares unternehmenspolitisches Konzept im Konzern.

Was macht DB Regio? Im Elektronetz Mittelsachsen zelebriert man seinen eigenen Marktausstieg, weil das Unternehmen erkennbar nicht in der Lage ist, ein marktfähiges Angebot abzugeben. Eine Woche später war die Vergabe der Betriebsleistungen für den RRX-Vorlauf in Nordrhein-Westfalen, wo man völlig chancenlos war.

Nach dem Abellio-Urteil hat man alles auf die Karte Gesetzesänderung gesetzt: In der Hoffnung, dass man eine neue Rechtslage schaffen könne, bei der es wieder möglich wird, Direktvergaben zu akquirieren. Das hat aber nicht geklappt. So kann DB Regio natürlich immer wieder Aufträge im SPNV gewinnen, was man auch tut, aber wenn dann zu deutlich geringeren Margen als bei den großen Verkehrsverträgen, die rund um die Jahrtausendwende geschlossen worden sind. Dazu kommt, dass die neuen Züge jetzt selbst finanziert werden müssen.

Es kommen Abschreibungen dazu, die man früher nicht hatte, weil die Vermögensbestände der alten Bundesbahn zum 1. Januar 1994 gratis in die Bestände des neuen Konzerns gewandert sind. Und ja, der Konzern startete schuldenfrei, d.h. alles was man jetzt an Verbindlichkeiten hat, ist nach dem 1. Januar 1994 angehäuft worden. Für die Misswirtschaft der alten Behördenbahn zahlt heute noch das Bundeseisenbahnvermögen und muss mit Milliardenbeträgen aus dem Bundeshaushalt gefüttert werden.

Im SPFV ist die Sache nicht besser. Auch hier: Nachdem unter Mehdorn jedes Jahr Angebote gestrichen worden sind, war unter Grube zunächst Planlosigkeit zu sehen. Das Konzept, das man 2015 vorgestellt hat, das im wesentlich darauf basiert, für möglichst viele Verbindungen Geld vom Aufgabenträger zu kassieren, geht auf Roland Pofalla zurück – obwohl es das hin und wieder vorher schon gegeben hat, fehlte auch hier das hinterstehende größere Konzept.

Aber nachdem insbesondere in Nordrhein-Westfalen solche Deals mehrfach gerichtlich untersagt worden sind, geht auch das nicht mehr. Durch den Fernbus ist eine neue Konkurrenzsituation entstanden, auf die man mit Angeboten im Niedrigpreissegment reagiert hat – was jedoch auch wieder auf Kosten von Umsatz und Gewinn gegangen ist. Man sieht als, dass der Konzern heute ohne Plan und Konzept dasteht. Das muss sich sehr kurzfristig ändern. Richard Lutz steht hier vor einer großen Herausforderung.

Siehe auch: DB AG droht die Schieflage

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