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Anspruch und Realität auf der Innotrans

20.09.18 (Berlin, Kommentar, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Keine Frage, was wir alle zwei Jahre zur Wiesnzeit auf der Innotrans präsentiert bekommen, ist das neueste, beste und fortschrittlichste, was die Eisenbahnbranche zu bieten hat. Die Aussteller zeigen, was sie können und wer in den Unternehmen und Institutionen für die Investitionen verantwortlich ist, kann sich hier aus erster Hand vorführen assen, was vielleicht schon bald vor Ort die Zukunft ist.

Aber zu einer Messe gehört eben nicht nur die Summe der Aussteller, sondern auch und vor allem das Drumherum und das Erscheinungsbild eines Ortes. Am Montag waren auf dem Berliner Hauptbahnhof gleich drei Rolltreppen außer Betrieb. Und wer über den Bahnhof Messe-Nord anreist, wird sein blaues Wunder erleben: Man muss durch eine Fußgängerunterführung zum Messegelände, die aussieht wie eine öffentliche Toilette und auch genau so riecht.

Kaputte und demolierte Aufzüge prägen das Bild dieser Unterführung, die auch auf dem Fußweg zur Hauptverwaltung des Rundfunks Berlin-Brandenburg durchquert werden muss. Rolltreppen sind kaputt und die Fahrgastinformationen bestehen aus ausgedruckten und mit Tesafilm festgeklebten DIN A4 Blättern, die zeigen, in welche Richtung die S-Bahn und in welche Richtung die U-Bahn fährt.

Wenn jemand aus Chicago bei der Innotrans ist, um sich moderne Rolltreppen für die dortige Stadtbahn Chicago L anzusehen, dann sieht derjenige schon bevor er das Messegelände betritt, wie man es bitte nicht machen sollte. Ja, Berlin hat ein riesiges Problem mit struktureller Verwahrlosung, das man weder der dortigen ÖPNV-Branche noch dem Messebetreiber anlasten kann. Aber das heißt nichts.

Zumindest für die Innotrans könnte man sich mal einen Eimer Farbe nehmen, ein paar Vandalismusschäden entfernen oder einige Aussteller gezielt ansprechen, ob man nicht rund um das Messegelände herum Best-Practice-Beispiele aufbauen und zeigen möchte. Und auf dem Messegelände? Vor den Geldautomaten stehen die Besucher sich die Füße platt.

Kaffee am Stand kann man eben nicht so einfach mit Karte zahlen und es werden auch weder Yen noch Dollar genommen. Also muss man sich erst Euro-Bargeld besorgen. Auf der Innotrans zeigen Aussteller die modernsten und digitalsten Ticketing-Möglichkeiten: Wie man an einem Automaten mit Bargeld in verschiedenen Währungen oder mit allen möglichen Formen der Kreditkarten bezahlen kann.

Mondäne Weltstädte bieten in ihren Taxen und Subways ohne weiteres die Möglichkeit, auch mit einer deutschen EC-Karte, einer polnischen Kreditkarte oder Bargeld verschiedener Währungen zu bezahlen. Auch hier muss man sich aus der Sicht fragen, ob die Aussteller und der Gastgeber eigentlich zusammenpassen. Denn hier präsentiert sich ja nicht nur die Messe Berlin GmbH, sondern Deutschland und seine Bundeshauptstadt sind der Gastgeber.

Viele deutsche Unternehmen wollen ihre ohne Frage qualitativ hochwertigen Produkte in die Welt verkaufen. So sollte sich die Messe selbst auch zeigen. Wer Interesse hat, kann sich die Fotos der Zughalt-Redaktion von dieser Woche auf einem eigens angelegten Instagram-Account ansehen.

Siehe auch: Innotrans 2018 in Berlin eröffnet

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