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KVB intensiviert Engagement gegen Alkoholmissbrauch

13.08.18 (NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Nach dem Stadtbahnunfall vom 15. März, bei dem an der Haltestelle Eifelwall zwei Bahnen der Linie 18 kollidierten, haben die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) ihre betriebliche Praxis der Alkoholprävention überprüft. Der Fahrer, der den Unfall verursacht hatte, stand zum Unfallzeitpunkt unter Einfluss von Alkohol. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass die Maßnahmen der KVB weitgehend mit denen der anderen Branchenunternehmen vergleichbar sind.

Dennoch erweitert die KVB ihre Alkoholprävention. Maßstab der vorangegangenen Prüfung war, dass alle in Frage kommenden Maßnahmen praktikabel sein müssen und den gesetzlichen Vorgaben wie dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit sowie den Mitbestimmungsrechten der Arbeitnehmer entsprechen müssen.

Im Ergebnis haben sich das Unternehmen und der Betriebsrat auf folgende Maßnahmen verständigt: Für das gesamte Unternehmen KVB werden die Beratungsangebote des Betriebsärztlichen Dienstes ergänzt durch Blutkontrollen auf freiwilliger Basis. Die Führungskräfte werden durch die Ausweitung des Schwerpunktes „Psychische Belastungen/Suchtprävention“ in speziellen Schulungen sensibilisiert.

In den betriebsinternen Medien wird regelmäßig im Sinne der Alkoholprävention berichtet. Speziell für den Fahrdienst werden die Überprüfungen durch die “unauffälligen Beobachter“ intensiviert, mit denen regelmäßig das Fahrverhalten und die Kundenorientierung der Fahrer durch unauffällige Mitfahrten bewertet wird. Hierfür werden zusätzliche Stellen geschaffen. Das Seminar Stress- und Suchtprävention wird allen Mitarbeitern im Fahrdienst angeboten.

Die Führungskräfte der mittleren Ebene werden die üblichen Rückkehrgespräche auch nach kurzer Erkrankungsdauer konsequent durchführen. Zudem werden die Mitarbeitergespräche regelmäßig stattfinden, so dass alle Fahrer jeweils innerhalb von 18 Monaten die Gelegenheit zu einem intensiven Austausch mit ihrer Führungskraft haben. Die hierfür erforderlichen Personalkapazitäten werden berücksichtigt.

Auch in den Fahrschulen wird den Informationsveranstaltungen zur Suchtprävention mehr Zeit eingeräumt. Bereits bisher betreibt die KVB eine umfassende Präventionsarbeit. So steht allen Mitarbeitern das Angebot einer psychosozialen Beratung in Krisensituationen durch eine Betriebspsychologin zur Verfügung. Gleichfalls bietet der Betriebsärztliche Dienst Beratung an.

Gefährdete und abhängige Mitarbeiter erhalten Unterstützung durch die Betriebspsychologin, deren Beratungstätigkeit als innerbetriebliche Suchtberatungsstelle anerkannt wurde. Sollte es notwendig sein, wird eine therapeutische Entwöhnungsbehandlung für betroffene Mitarbeiter eingeleitet. Nach erfolgreichen Rehabilitationsmaßnahmen werden die entsprechenden Mitarbeiter wieder in den Betrieb eingegliedert, wobei diese innerhalb des ersten Jahres nach der Entwöhnungsbehandlung nicht im Fahrdienst tätig sind.

Hier spielt die Sicherheit der Allgemeinheit eine wichtigere Rolle als der berechtigte Anspruch, trotz Krankheit seine Tätigkeit zu behalten. In jedem Fall aber gilt: Wer alkoholabhängig ist, wird nicht deswegen entlassen. Niemand muss befürchten, in die Arbeitslosigkeit geschickt zu werden, wenn man sich vertrauensvoll an für Hilfe zuständige Stellen wendet, auch nicht innerbetrieblich.

Zudem werden Seminare zur Gesundheitsförderung, u. a. zur Stressreduktion, durchgeführt. Für Führungskräfte und Betriebsräte sind Seminare zur Suchtprävention u. ä. verpflichtend. Speziell für den Fahrdienst werden bereits regelmäßige betriebsärztliche Untersuchungen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben durchgeführt.

In den Fahrschulen und in den weiteren Schulungen werden, auch vor der jetzigen Intensivierung, bereits Information und Aufklärung über Missbrauch, Abhängigkeit und Auswirkungen von Alkohol und weiteren Suchtmitteln betrieben. Dabei gilt, dass auch für Betriebs-ärzte die Regelungen zur gesetzlichen Schweigepflicht gelten. Wer sich also innerbetrieblich an eine Hilfsstelle wendet, der kann dort die gleiche Vertraulichkeit erwarten, die es auch beim Hausarzt gibt.

Auch bisher schon finden regelmäßig Mitfahrten der unauffälligen Beobachter statt, die nun jedoch einen erweiterten Fragebogen ausfüllen. Damit sollen mögliche Auffälligkeiten bei der Fahrweise, vielleicht sogar Alkoholgeruch oder ähnliches frühzeitig erkannt werden – damit die betroffenen Mitarbeiter Hilfe bekommen, bevor etwas passiert. Gleichzeitig hat man einen Blick auf den betrieblichen Alltag der Mitarbeiter.

Siehe auch: Einfach mal ein Tabu brechen

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