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KVB AG schreibt Stadtbahnen aus

10.08.18 (NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Kölner Verkehrsbetriebe AG hat den Kauf von neuen Stadtbahnen europaweit ausgeschrieben. In einem ersten Schritt sollen 62 moderne Niederflur-Triebzüge mit einer Länge von etwa sechzig Metern („Langzüge“) sowie zwei rund dreißig Meter lange Niederflurfahrzeuge beschafft werden. Die Langzüge sollen 124 Fahrzeuge der Baureihe K4000 ersetzen, die bereits heute ihre Nutzungsgrenze erreicht haben.

Nach der Ertüchtigung der Ost-West-Achse sollen auf den Linien 1 und perspektivisch auch auf der Linie 9 rund neunzig Meter lange Zugverbände fahren. Diese setzen sich jeweils aus einem Lang- und einem Kurzzug zusammen. Auf diese Weise kann die Kapazität auf diesen Linien um bis zu fünfzig Prozent erhöht werden. Diese Erweiterung ist dringend nötig, um dem steigenden Fahrgastaufkommen Rechnung zu tragen.

Das Lastenheft für die Ausschreibung umfasst rund 550 Seiten. Darin sind alle technischen Anforderungen an die neuen Fahrzeuge beschrieben: vom Fahrzeuggrundkonzept über die Grundzüge der Innen- und Außengestaltung, die Informations- und Kommunikationseinrichtungen bis hin zu technischen Innovationen wie etwa Fahrerassistenzsystemen zum energiesparenden Fahren oder zur Kollisionswarnung.

In die Erstellung des Lastenheftes wurden in den vergangenen Monaten alle Interessengruppen wie etwa die Behindertenverbände, die Berufsgenossenschaft, die Arbeitnehmervertreter u.a. einbezogen. Die Auftragsvergabe ist für Anfang 2020 geplant. Ab 2022 sollen zwei Lang- und zwei Kurzzüge getestet werden, die Auslieferung der Serienfahrzeuge ist ab Mitte 2023 vorgesehen.

Darüber hinaus soll es die Option für den Kauf von weiteren elf Lang- und 25 Kurzzügen geben, die für die verschiedenen Ausbauprojekte im KVB-Streckennetz nach dem ÖPNV-Bedarfsplan benötigt werden. Die Kosten für diese Beschaffungsserie liegen voraussichtlich bei rund 450 Millionen Euro. An Fördermitteln für Stadtbahn-Beschaffungen stehen bis 2031 insgesamt knapp hundert Millionen Euro zur Verfügung.

Die von der KVB zu übernehmenden Investitionskosten sollen über Gesellschafterdarlehen der Stadt Köln finanziert werden. Inwieweit diese dafür mögliche Haushaltsrisiken eingehen muss, lässt sich nicht abschätzen – das gilt gerade vor dem Hintergrund der Diskussionen über die Fahrzeugfinanzierung im SPNV, bei der vielfach darüber diskutiert wird, welche Risiken die öffentliche Hand als Eigentümer der Fahrzeuge eingeht.

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