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Die Situation neuer Marktteilnehmer

09.08.18 (Baden-Württemberg, Bayern, Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Go-Ahead expandiert weiter in Deutschland und nach National-Express können wir jetzt sagen, dass zwei britische Verkehrskonzerne fester Bestandteil des hiesigen Eisenbahnmarktes sind. Das waren sie nicht immer, obwohl beide Unternehmen seit langer Zeit auf der Schiene aktiv sind: Sie werden die Eisenbahnpolitik in Deutschland langfristig beobachtet haben und das Abellio-Urteil war der Auslöser, hier einzusteigen.

Die neue Rechtslage hat dafür gesorgt, dass eine faire Ausschreibung kein Gnadenakt des Aufgabenträgers mehr ist, sondern ein einklagbares Recht. Der immer wieder suggerierte Erstellermangel hat sich erst durch die neue Rechtslage von selbst aufgelöst: Akteure sind genug da und sie kommen auch. Übrigens ist auch die dänische Staatseisenbahn immer mal wieder am hiesigen Marktgeschehen interessiert und wer weiß, wer noch so alles kommt, ob aus Nordamerika oder Fernost.

Dazu kommt, dass ernsthafte Ausschreibungen, die von Anfang an darauf ausgelegt sind, möglichst viele Bieter anzulocken, nie zu wenig Interessenten hatte. Ein Aufgabenträger muss sich eben interessant für die Verkehrsunternehmen machen. Viele haben nach wie vor das Selbstverständnis des selbstgefälligen Mannes mit dem Schlüssel zum Tresor, aber das ist es nicht: Auch der Aufgabenträger ist jemand, der ein Unternehmen sucht, das für mehrere Millionen Euro Züge anschafft oder anschaffen lässt und der mit viel Aufwand Eisenbahnverkehr betreibt.

Das ist kein Eiswagen, sondern hier wird viel Know-How und Fachexpertise verlangt. Da kann ein Aufgabenträger nicht nach dem Motto handeln „Ich habe das Geld und alles tanzt nach meiner Pfeife“. Das heißt umgekehrt nicht, dass der Aufgabenträger sich seinerseits auf der Nase rumtanzen lassen muss. Im Gegenteil: Dieser hat die Pflicht, für einen guten Eisenbahnverkehr zu sorgen.

Dazu gehört auch ein effektives Controlling und Sanktionen bei fortgesetzten Schlechtleistungen. So ist es gerade in Süddeutschland mit der boomenden Wirtschaft nötig, klare Personalquoten vorzuschreiben. Und das wird in den kommenden Jahren bei allen Betriebsaufnahmen von Wettbewerbsbahnen in Bayern und Baden-Württemberg spannend: Schafft man es, dauerhaft genug Personal ins Unternehmen zu bringen?

Wie stellt man sich gegen die Konkurrenz bei der Metall- und Elektroindustrie auf? Auch hier sind die Aufgabenträger gefordert, sich gemeinsam mit den verschiedenen im Markt tätigen Unternehmen und der Landespolitik Gedanken zu machen. Es ist jedenfalls für niemanden gut, wenn die Unternehmen sich gegenseitig Personal abjagen.

Wahrscheinlicher ist, dass man in Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg mit den Bundesrahmen- und Branchentarifverträgen nicht weiterkommt und landeseigene Regelungen anstreben sollte, die deutlich darüber liegen. Das wird in den nächsten Jahren ein wesentliches Thema sein. Denn Langzeitarbeitslose mal eben schnell auszubilden, das mag im Ruhrgebiet gehen, aber nicht da, wo die Wirtschaft boomt. Das müssen sich alle Beteiligten vergegenwärtigen.

Siehe auch: Go-Ahead gewinnt Elektronetz Allgäu

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