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Leistungsausweitungen verstetigen

22.05.18 (Kommentar, NVR, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Wachsende Großstädte müssen ihre Infrastruktur und ihre Leistungsangebote für die Bevölkerung mitwachsen lassen. Es geht gar nicht anders. Auch in Köln hat man, rund sechs Jahre nach dem Erscheinen der Eisenbahnknoten-Analyse, nun auch in puncto Stadtverkehr nachgelegt. Ja, es muss sich was tun und man muss mehr Fahrten, mehr Kapazitäten und längere Bedienzeiten einführen, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.

Ein Vorbild könnte hier die Münchener Verkehrsgesellschaft sein. Nun mag man diskutieren, ob Bier aus riesigen Krügen oder kleinen Stangen besser schmeckt. Aber abgesehen von der Größe der Biergläser haben München und Köln eine Menge gemeinsam. In der bajuwarischen Landeshauptstadt läuft eine langfristig angelegte Angebotsoffensive 2010-2020.

Dort ist langfristig im Vorfeld entschieden worden, dass es mit jedem Fahrplanwechsel in irgendeiner Form Verbesserungen, Leistungsausweitungen oder etwas ähnliches gibt: Eben eine ÖPNV-Offensive, bei deren Planung man bereits weiß, dass Leistungsausweitungen zum Dauerzustand werden müssen. Im Kölner SPNV hat man es in den vergangenen Jahren geschafft, auf der Schiene genau das zu machen: Man ist der hohen Nachfrage durch immer weitere Zusatzzüge gerecht geworden.

Gelegentlich hatte man den Eindruck, der Aufgabenträger hätte bei einigen Verkehrsverträgen die Nachfrage falsch eingeschätzt. Tatsache aber ist, dass die vermeintlichen Negativschlagzeilen über überfüllte Züge aus einer erfolgreichen Eisenbahnpolitik herrühren: Denn nur wenn immer mehr Menschen die Schiene nutzen, braucht man die Kapazitäten zu erweitern.

Wer über Platzmangel in den Zügen spricht, der spricht somit stets auch automatisch über genau das, was das Grundziel der Eisenbahnreform war und ist: Mehr Verkehr auf die Schiene. Wobei wir den Begriff Schiene heute durch den Umweltverbund an sich ersetzen: Da gehören natürlich auch Linienbusse zu, auch Fernlinienbusse oder eben auch der Fahrradverkehr.

Ja, man kann die Lebensqualität in den Städten nur dann sichern, wenn man es schafft, dass der Umweltverbund stärker wächst als das Gesamtverkehrsaufkommen. Denn niemand möchte in Smog-verseuchten Superstädten leben, wie wir sie in Süd- und Mittelamerika haben. Deutschland muss Vorbild sein bei guten Verkehrskonzepten und das funktioniert nicht, wenn der ÖPNV zum Finanzsteinbruch wird, wie das in den Nullerjahren immer wieder der Fall war.

Natürlich braucht man auch eine vernünftige Vergabepolitik. Dazu gehört, dass man in Metropolregionen dieser Art auf Brutto- statt auf Nettoverträge setzt, damit die stark steigenden Markteinnahmen reinvestiert werden können. Das macht man jetzt sowohl in Köln als auch in München, obwohl die jeweils zuständigen Aufgabenträger in der Vergangenheit andere Präferenzen hatten. Aber es zeigt sich eben auch, dass Erfahrungen klug machen. Wichtig ist jetzt, dass alle an einem Strang ziehen: Vom Verkehrs- zum Mobilitätsverbund mag es ein langer Weg sein, aber ein wichtiger!

Siehe auch: Köln: Umfassendes ÖPNV-Paket beschlossen

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