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VRS: Mit höherer Nachfrage in die Zukunftsplanung

23.04.18 (Fernverkehr, Güterverkehr, NVR, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) hat in der letzten Woche seine Jahresbilanz für 2017 vorgestellt. Im vergangenen Jahr gab es mit fast 552 Millionen Fahrten einen neuerlichen Fahrgastrekord. Der Anstieg bei den Fahrten spiegelt sich auch auf der Einnahmenseite wider: Die 28 Verkehrsunternehmen im VRS erwirtschafteten 2017 insgesamt 672,37 Millionen Euro an Fahrgeldeinnahmen. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von 8,97 Millionen Euro (+ 1,35 Prozent).

„Die Millionen Menschen, die täglich Busse und Bahnen benutzen, belegen, dass der ÖPNV ein unverzichtbarer Bestandteil des öffentlichen Lebens geworden ist. Immer deutlicher zeigt sich, dass der ÖPNV der einzige Weg ist, um die angespannte verkehrliche Situation gerade in den Ballungsgebieten zu verbessern“, so VRS-Geschäftsführer Michael Vogel. „Wir sind überzeugt davon, dass wir durch die fortschreitende Digitalisierung auch in Zukunft weitere Kunden hinzugewinnen werden. Die bekannten und bewährten Vertriebswege werden wir hingegen keinesfalls vernachlässigen.“

Am erfolgreichsten war das Einfach-Weiter-Ticket: Es ermöglicht die Fahrt in den Aachener Verkehrsverbund oder den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Wo früher Grenz- und Kragentarife gegolten haben, ist das neue Angebot unkompliziert für alle Zeitkartenbesitzer zu erwerben. Im Laufe des ersten Jahres wurden insgesamt 1,2 Millionen Tickets verkauft, der umsatzstärkste Monat war der Dezember 2017, in dem 137.000 Einfach-Weiter-Tickets verkauft wurden.

„Mit diesem guten Start sind wir sehr zufrieden“, so Till Ponath, der Leiter des für den NRW-Tarif zuständigen Kompetenzcenter Marketing NRW. „Es freut uns, dass dieses neue Ticket von unseren Fahrgästen so gut angenommen wird. Dies ist ein gelungenes Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen den Verkehrsverbünden in unserem Bundesland.“

Das Einfach-Weiter-Ticket kostet für Erwachsene 6,60 Euro für die Einzelfahrt der zweite Klasse, Kinder zahlen die Hälfte (3,30 Euro). Der Preis für die erste Klasse beträgt 9,90 Euro bzw. 4,95 Euro für Kinder. Egal ob von Aachen nach Düsseldorf oder von Köln nach Dortmund. Eine Nutzung auch im Anwendungsgebiet des neuen Westfalentarifes ist geplant, kann aber für den 1. Januar 2019 noch nicht versprochen werden.

Doch unabhängig von den Fahrgaststeigerungen insgesamt, stechen einige Linien besonders hervor. So stieg die Zahl der Fahrten im Kalenderjahr 2016 im Vergleich zu 2015 auf der Linie RE 8 um 10,2 Prozent. Auf der Linie RB 34 waren es infolge von Leistungsausweitungen sogar mehr als vierzig Prozent. Im S-Bahnbereich ist die Linie S 6 am stärksten von Fahrgastzuwachs betroffen: 12,5 Prozent waren es hier.

Schwer einzuschätzen ist das auf der Siegstrecke, weil die zahlreichen zusätzlichen S-Bahnangebote die stark nachgefragte Linie RE 9 entlasten. Es zeigt sich also ein exponentielles Wachstum, auf das man reagieren muss. So soll etwa die S 6 bis Mönchengladbach verlängert werden – ähnlich wie auf der Siegstrecke sollen zusätzliche und engere S-Bahntakte den dort fahrenden Regionalexpress entlasten.

Ausbauplanungen bei der Linie S 13 laufen in verschiedene Richtungen. Für die Linie S 11 ist im Rahmen der Neuvergabe zwischen Köln und Bergisch Gladbach die Verdichtung auf einen Zehn-Minuten-Takt geplant. Die dafür notwendige infrastrukturelle Grundlage ist mit einem Kosten-Nutzen-Faktor von 2,3 berechnet worden.

Ein noch höherer Kosten-Nutzen-Faktor ist für die Verlängerung der Linie S 12 bis Bergheim errechnet worden: 3,6. Weitere Planungen werden derzeit vorbereitet. Die Eifelstrecke soll perspektivisch ebenfalls ertüchtigt werden, die Planungen befinden sich in der Vorbereitung. Für die Südbrücke ist eine neue Linie S 16 geplant, die unter anderem den Bonner Wall in Köln sowie den Hafen in Deutz erschließen soll.

Für die linke Rheinstrecke ist eine neue Linie S 17 geplant. Wo derzeit die Linien RB 26 und RB 48 die Feinerschließung übernehmen, soll künftig im S-Bahnstandard gefahren werden. Zwischen Bonn-Mehlem und Euskirchen plant man neben einer Elektrifizierung auch ein durchgehendes zweites Gleis.

Ziel ist, hier eine neue Linie S 23 fahren zu lassen. Die Finanzierung soll künftig auch aus Markteinnahmen erfolgen. Aus diesem Grund werden künftige Vergaben in Form von Bruttoverträgen gemacht. Somit sollen gestiegene Umsätze durch höhere Nachfrage nicht mehr an den Betreiber abfließen, sondern für Kapazitätsausweitungen genutzt werden.

Siehe auch: Die Zukunft beginnt jetzt

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