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UK: Erneute East-Coast-Krise

13.02.18 (Großbritannien) Autor:Max Yang

Krisennachrichten kommen von Virgin Trains East Coast, dem Unternehmen, welches 2015 Fernverkehrsstrecken von London über York und Newcastle nach Edinburgh übernahm. Es ist offenbar finanziell überfordert und kann den Verpflichtungen aus dem 3,3 Milliarden Pfund (ca. 3,7 Milliarden Euro) schweren Verkehrsvertrag nicht mehr nachkommen.

Der britische Verkehrsminister Chris Grayling (Conservatives) gab letzte Woche im parlamentarischen Unterhaus zu, dass als Folge der aktuellen Verluste in Höhe von 200 Millionen Pfund die Rückführung des East-Coast-Betriebs in öffentliche Hand droht. Alternativ könnte ein veränderter Kurzzeit-Verkehrsvertrag mit dem derzeitigen Joint-Venture von Virgin und Stagecoach geschlossen werden.

Geschichte scheint sich zu wiederholen: Bereits zwischen 2009 und 2015 wurde die Strecke durch ein unter der Aufsicht des Verkehrsministeriums stehendes, staatliches Unternehmen (Directly Operated Railways) betrieben, nachdem National Express der unprofitablen Tochtergesellschaft National Express East Coast den Geldhahn zudrehte.

Auf der West-Coast-Linie, die von einem anderen Virgin/Stagecoach-Joint-Venture betrieben wird und von London nach Birmingham, Manchester und Glasgow führt, beabsichtigt Verkehrsminister Grayling eine Direktvergabe bis 2020 als Zwischenlösung bis zu einer Neugestaltung der Fahrpläne anlässlich der Inbetriebnahme der geplanten High-Speed-2-Neubaustrecke.

Bereits im Jahr 2012 erfolgte eine Interims-Direktvergabe auf der West-Coast-Linie an Virgin/Stagecoach, nachdem ein ministerielles Vergabeverfahren infolge rechtlicher Schritte des derzeitigen Betreibers und damals unterlegenen Bieters kollabierte.

Die Vergabepolitik des Verkehrsministers hat nach Ansicht von Beobachtern einen unangenehmen Beigeschmack und stößt auf offene Kritik von seinem Amtsvorgänger, Lord Andrew Adonis (Labour). In einem offenen Brief erinnerte Adonis daran, dass 2009 eine Vergabesperre für den National-Express-Konzern erwirkt wurde. Adonis wirft Grayling vor, das Parlament mit unwahren Tatsachen in die Irre zu führen. Nunmehr wird sich der Verkehrsausschuss des Unterhauses mit dem anstehenden Bailout beschäftigen.

Foto: Max Yang

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