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Köln: Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen gefordert

23.11.17 (NVR, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Zum Ende der UN-Weltklimakonferenz fordert Jürgen Fenske dazu auf, das Ziel der Veranstaltung mit konkreten Schritten des lokalen Klima- und Umweltschutzes zu verbinden. Der Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) verweist auf den Weg seines Unternehmens, mit dem der Umweltvorteil öffentlicher Verkehrsmittel seiner Ansicht nach bereits ausgebaut wurde.

Dennoch bedarf es großer Anstrengungen, um in Köln eine Verkehrswende zu ermöglichen und den Klima- und Umweltschutz wesentlich weiter voranzubringen. Basis ist die städtische Strategie „Köln mobil 2025“, Vorbild sind Städte wie Wien, Zürich und Kopenhagen. Hierbei kann ein Sonderprogramm kommunaler Nahverkehr helfen, das der VDV, dessen Präsident er ist, von der neuen Bundesregierung einfordert.

Mit einem Volumen von 15 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren soll der ÖPNV gestärkt werden. Weitere fünf Milliarden Euro sollen die Länder beitragen. Verkehrsunternehmen wie die KVB sollen hiervon Mittel erhalten, um ihre ÖPNV-Angebote auszubauen und Verkehrsanlagen zu sanieren. Fenske: „Angesichts drohender Fahrverbote auch in Köln besteht ein strategisches Zeitfenster, in dem die politischen Bekundungen konkret gemacht werden können.“

Insbesondere mit dem Ausbau des Stadtbahnnetzes kann in Köln der wachsenden Stadt und ihrer Einwohner gedient werden. Neben der Ertüchtigung der Ost-West-Achse (Linien 1, 7 und 9) sind dies u. a. die Verlängerung der Nord-Süd Stadtbahn perspektivisch bis Rondorf / Meschenich, die Anbindung von Stammheim und Flittard über Mülheim-Süd, die Verlängerung der Linien 13 bis zur Bonner Straße bzw. bis zum Rheinufer oder der Ausbau der Linie 7.

Diese und weitere Maßnahmen wurden seitens der Stadt für den ÖPNV-Bedarfsplan 2017 des Landes Nordrhein-Westfalen angemeldet. Dabei besteht nicht nur in Köln die Notwendigkeit, das Schienennetz auszubauen. Norbert Reinkober, Geschäftsführer der Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR), weist auf die S-Bahn-Linie 11 und die Stadtbahn-Linie 1 hin, die im Takt verdichtet bzw. über die bisherige Endhaltestelle in Bensberg werden sollen.

Reinkober: „Täglich pendeln über 140.000 Einwohner des Umlandes nach Köln ein und fast 60.000 Kölner über die Stadtgrenze in die nähere und weitere Umgebung aus. Für viele von ihnen ist das Auto ein Kostenfaktor, mit dem sie bewusster umgehen wollen. Der Ausbau des S-Bahn-Knotens Köln und ein Stadtbahnanschluss würde es vielen ermöglichen, das Auto zu Hause stehen lassen zu können.“

Dass die Stadtbahn-Anbindung zur Vermeidung von Pkw-Verkehren beitragen kann, zeigen folgende Vergleiche: In Meschenich (bisher ohne Anschluss an die Stadtbahn) sind je 1.000 Einwohner ab 18 Jahren 440 privat genutzte Pkw gemeldet. In der Rangfolge der Kölner Stadtteile ist dies Rang 40. Im vergleichbaren Chorweiler (Linie 12) sind aber lediglich 275 privat genutzte Pkw je 1.000 Einwohner gemeldet (Rang 2).

Auch Stammheim mit 463 und Flittard mit 511 privat genutzten Pkw je 1.000 Einwohner ab 18 Jahre (Rang 42 bzw. 54) fallen gegenüber den vergleichbaren Stadtteilen Bickendorf und Bocklemünd ab, die durch die Stadtbahn-Linien 3 und 4 angebunden sind. In Bickendorf sind 376 und in Bocklemünd 417 privat genutzte Pkw je 1.000 Einwohner ab 18 Jahren gemeldet (Rang 24 bzw. Rang 32).

Jürgen Fenske: „Wir brauchen ein anderes Mischungsverhältnis zwischen Auto, Fahrrad, Bus und Bahn. Heute haben Busse und Bahnen in Köln einen Anteil von ca. 22 Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen, in Wien jedoch 40 Prozent. Wenn wir den Anteil des Autoverkehrs nicht deutlich senken, dann werden wir die Klimaschutzziele und die Einhaltung der europäischen Grenzwerte zur Luftreinhaltung nicht schaffen.“

Darüber hinaus engagiert sich die KVB in der Förderung des Umweltverbundes. Seit Mai 2015 bietet die KVB mit den KVB-Rädern ein eignes Leihradsystem an. Gestartet wurde mit 910 KVB-Rädern. Bereits im Dezember 2015 wurde das Bediengebiet ausgedehnt und ist mit 84 Quadratkilometern fast doppelt so groß wie zum Start des Angebotes.

Im September 2016 wurde die Flotte auf insgesamt 1.410 KVB-Räder vergrößert. Dazu kommen im Bereich Carsharing Kooperationsvereinbarungen mit Cambion Car2Go und DriveNow. So soll der Verzicht auf das (eigene) Auto erleichtert werden. Und man füllt das Motto mit Leben, das seit dem 25jährigen Jubiläum des VRS im Jahr 2012 allgegenwärtig ist: Vom Verkehrs- zum Mobilitätsverbund.

Siehe auch: Findet vernünftige Lösungen!

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