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Wer macht was?

16.10.17 (Kommentar, Nordrhein-Westfalen, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Als letzte Woche in Düsseldorf die Wir-Machen-Das-Verträge unterzeichnet wurden, war ich eingeladen. Natürlich bin ich mit dem Zug gefahren, denn Autofahren in der Landeshauptstadt macht wahrlich keinen Spaß. Auf dem Hinweg hatte ich einen Fahrschein von der DB, der beim Kauf bereits entwertet war. Auf dem Rückweg musste ich mir einen am Rheinbahn-Automaten kaufen. Der war nicht entwertet. Es gab auch an den Bahnsteigen keine Entwerter, glücklicherweise dann aber in der Bahn.

Nachdem ich mit dem Wupper-Express bis Witten gefahren bin, musste ich mir ein Taxi nach Hause nehmen. Denn der Bus 376 in meine Richtung fährt zwar weniger als eine Viertelstunde, aber nach 20 Uhr verlässt dieser den Hauptbahnhof immer fünf Minuten bevor dort der Regionalexpress aus der Landeshauptstadt ankommt. Wer mit diesem unterwegs ist, muss im Zweifel über fünfzig Minuten auf den Bus warten.

Übrigens, auch die Frage nach dem Fahrscheinvertrieb ist von einer einheitlichen Lösung weit entfernt. Wenn ich von Dortmund-Hörde nach Witten fahren möchte, dann steht beim Einstieg an den Zügen der Eurobahn ganz groß angeschlagen: Erst einsteigen, dann bezahlen. Es gibt Vertriebsautomaten im Zug. Die gibt es auch bei Abellio und bei einigen kommunalen Unternehmen in den Straßenbahnen.

Aber auch das ist zum Teil von Linie zu Linie unterschiedlich. Wenn ich aber auf Linien fahre, die in anderen Verkehrsverträgen betrieben werden, bin ich bereits ein Schwarzfahrer, wenn ich in den Zug einsteige in der Hoffnung, dort einen Fahrschein lösen zu können. Man sieht also schon in relativ kurzen Ausführungen, dass die viel beschworene Zusammenarbeit im Alltag noch immer viel Luft nach oben hat.

Und die erste Frage, die man in diesem Zusammenhang stellen muss ist tatsächlich, was denn mit den heiligen Kommunalmonopolisten ist. Wann treten die einer solchen Kooperation bei? Und wann kommen Regelungen, die dafür sorgen, dass eben nicht mehr jeder Dorfschulze nach Lust und Laune seinen Busstern planen kann ohne Rücksicht auf den SPNV zu nehmen?

Hier müsste man die Chance des Regierungswechsels nutzen: Ein neuer Minister müsste im VDV-Landesverband Nordrhein-Westfalen klar und deutlich sagen: Entweder Ihr schafft es in Selbstbestimmung vernünftige Richtlinien zu einem echten integralen Taktfahrplan zu schaffen oder wir machen das per Gesetz! Und dann müssten die SPNV-Aufgabenträger im Zweifel auch ein Durchgriffsrecht den kommunalen Planungsämtern gegenüber haben um zu sagen: Die Busse fahren so, wie der SPNV es vorgibt und nicht wie Ihr euch das ausdenkt!

Denn eins ist auch klar: Was man letzte Woche in Düsseldorf symbolisch verkündet hat ist etwas, das man mit Leben füllen muss. Im Eisenbahnwesen klappt das. Die Wettbewerbsbahnen haben abseits laufender Vergabeverfahren immer schon zusammengearbeitet und auch DB Regio ist jetzt dabei. Wie das in einem Marktgeschehen eben ist: Die Unternehmen stehen mal in Konkurrenz zueinander, mal beauftragen sie sich gegenseitig. Sie sind Stakeholder, die ständig miteinander zu tun haben: Wir schaffen …äh… machen das!

Siehe auch: NRW-EVU unterzeichnen Vereinbarung
Bild: Wobogre

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