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KVB: Asylbewerber als Busfahrer

31.07.17 (NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Für fünf Asylbewerber aus dem Irak, dem Iran und Syrien begann dieser Tage ihr dreimonatiges Praktikum bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB). Es ist der letzte Abschnitt ihrer Ausbildung, an dessen Ende sie einen Anspruch auf eine unbefristete, sozialversicherungspflichtige Stelle haben.

Das Integrationsprojekt, das mit 13 Personen begann, von denen jetzt noch fünf dabei sind, fand in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Sozialleistungsträgern statt. Die Ausbildung, die im September 2016 begonnen hat, dauert rund ein Jahr. Die Bewerber waren zuvor von der Arbeitsagentur zum Einstellungstest eingeladen und anschließend von der KVB für den Ausbildungskurs ausgewählt worden.

Sie absolvierten zunächst einen Sprachkurs bei der Fortbildungsakademie der Wirtschaft. Anschließend machten diejenigen, die ihn noch nicht hatten, parallel zur regulären Ausbildung den Führerschein der Klasse B. Dann folgte die Qualifizierung zum Busfahrer (Führerschein Klasse D) mit einer Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer. Wer jetzt auch noch das Praktikum erfolgreich absolviert, bekommt eine unbefristete Festanstellung als Busfahrer.

„Wir sind beeindruckt, mit welcher Energie und welchem Engagement die Teilnehmer die Ausbildung bewältigt haben“, sagte Peter Densborn, Mitglied des Vorstandes und Arbeitsdirektor der KVB. „Keinem Bewerber wurde etwas geschenkt, alle Prüfungen wurden unter regulären Bedingungen absolviert. Die Teilnehmer mussten nicht nur die Sprachkompetenz erwerben, sondern sich auch mit einer Vielzahl von technischen Fachbegriffen vertraut machen. Und das alles in einem für sie neuen und schwierigen Lebensumfeld.“

Während viele kommunale Verkehrsunternehmen für Asylbewerber lediglich Praktikumsplätze einrichten oder Hospitationen ermöglicht, ist es bei der KVB von Anfang an das Ziel gewesen, reguläre Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Das gilt nicht nur im Bereich des Busfahrdienstes, sondern z.B. auch bei der Schieneninfrastruktur, wo nach einem Praktikum eines syrischen Asylbewerbers bereits die Übernahme in ein Angestelltenverhältnis erfolgte.

Das Unternehmen stellt außerdem sechs Praktikumsplätze zur Verfügung, jeweils drei im kaufmännischen und technischen Bereich. Zwei junge Männer haben im August vorigen Jahres ihre Ausbildung zu Fachkräften im Fahrbetrieb Bus begonnen und diese bisher erfolgreich absolviert; im nächsten Monat wird ein Asylbewerber eine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb Stadtbahn beginnen.

Der KVB-Vorstandsvorsitzende Jürgen Fenske ist ehrenamtlicher Präsident des Verbandes Deutsches Verkehrsunternehmen und hat in dieser Funktion seine Kollegen aufgerufen, es ihm gleichzutun. Auch wenn verschiedene Formen prekärer oder atypischer Beschäftigungen bei Kommunalmonopolisten für Asylbewerber die Regel sind, so geht er mit seinem Unternehmen mit gutem Beispiel voran. Von branchenweit tausend Asylbewerbern gibt es rund 730 in verschiedenen Formen zumeist prekärer oder atypischer Beschäftigung.

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