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VDE 8 steht vor der Eröffnung

22.06.17 (Bayern, Berlin, Brandenburg, Fernverkehr, Thüringen, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Im Dezember wird das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 8 an den Start gehen: Die Fahrtzeit mit dem ICE zwischen der bajuwarischen Landeshauptstadt München und der Bundeshauptstadt Berlin durch die thüringische Landeshauptstadt Erfurt wird auf unter vier Stunden sinken. Die Neubaustrecke zwischen Erfurt und Nürnberg wird dem Verkehr übergeben.

Das Zehn-Milliarden-Projekt wurde 1991 unmittelbar nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung von der Bundesregierung beschlossen, um die Verkehrsanbindung auf der Schiene zwischen Ost und West sowie zwischen Nord und Süd für den Personen- und Güterverkehr nachhaltig zu verbessern. Auf den vorhandenen Strecken waren die prognostizierten Verkehrsaufkommen hinsichtlich der Kapazität und der Geschwindigkeit nicht zu bewältigen.

Das VDE 8 ist ein Lückenschluss im Hochgeschwindigkeitsnetz des deutschen SPFV und stellt gleichzeitig einen wichtigen Abschnitt im Transeuropäischen Schnellbahnnetz (TEN) dar. Die rund 500 Kilometer lange Neu- und Ausbaustrecke zwischen Nürnberg, Erfurt, Leipzig/Halle und Berlin geht am 10. Dezember 2017 in Betrieb. Das Kernstück der Hochleistungsstrecke von München nach Berlin bietet eine konkurrenzfähige und umweltgerechte Alternative zu Straße und Flugzeug.

Im unmittelbaren Einzugsbereich leben 17 Millionen Menschen, die künftig schneller zwischen den drei Hauptstädten München, Erfurt und Berlin pendeln können. Dabei wurde besonders auf die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden geachtet: Die Sprinter werden je gegen 6, 12 und 18 Uhr in Berlin bzw. München abfahren. Auch die stündlich verkehrenden Takt-Züge werden zwischen beiden Metropolen rund 90 Minuten schneller sein als heute.

Weitere große Vorteile der neuen Verbindung: Es wird deutlich mehr Direktverbindungen als heute zwischen einzelnen Städten geben – so z. B. Berlin‒Frankfurt/Main, Erfurt‒Berlin sowie Erfurt‒Hamburg. Eine neue Direktverbindung gibt es auch: Von Leipzig aus kommen Reisende künftig zweistündlich ohne Umstieg nach Mannheim, Stuttgart oder Ulm. Auch Städte wie Magdeburg oder Dresden, die nicht unmittelbar an der neuen Schnellfahrstrecke liegen, profitieren durch kurze Umstiegszeiten in Halle, Leipzig bzw. Erfurt von der neuen Verbindung.

Hier reduziert sich die Fahrzeit um mindestens eine Stunde. Dank guter Anschlüsse in den großen ICE-Knotenbahnhöfen Berlin, Halle, Leipzig, Erfurt, Nürnberg und München zum Nahverkehr gehören auch die Regionen zu den Profiteuren der Neubaustrecke. Um ein Beispiel zu nennen: Reisende aus Eberswalde sind künftig in vier Stunden in Nürnberg, statt heute in fast sechs. Allerdings: Notwendig ist dazu auch eine angemessene Anbindung auf anderen SPFV-Relationen.

Gerade im Freistaat Thüringen hat man auf der Ost-West-Achse in den vergangenen Jahren deutliche Einschnitte gehabt. Hier wird die Entwicklung in den kommenden Jahren abzuwarten bleiben. Es soll aber – zumindest im Verkehr zwischen den Freistaaten Thüringen und Bayern – auch der Regionalverkehr profitieren. Ab Dezember geht der neue Franken-Thüringen-Express (FTX) zwischen Sonneberg und Nürnberg an den Start.

Im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) wird DB Regio zwischen Coburg und Bamberg zweistündlich eine schnelle Nahverkehrsverbindung anbieten. Damit sind Bahnfahrer zwischen beiden Städten mit 23 Minuten doppelt so schnell nur unterwegs wie bisher. Von Coburg nach Nürnberg dauert die Reise im durchgehenden Regionalexpress (RE) künftig nur noch 70 Minuten – rund 30 Minuten weniger als derzeit.

Auf der Strecke kommen die beliebten Doppelstockwagen zum Einsatz mit über 500 Sitzplätzen je Zug. Die Züge sind mit dem modernen Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet. Mit dem einheitlichen europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS und dem Funksystem GSM¬R können Züge ohne Streckensignale sicher geleitet werden. Die wichtigen Daten werden über Funk zwischen Zug, Streckenzentrale und Transpondern im Gleis übermittelt.

ETCS soll zukünftig die rund 20 noch geltenden Sicherungssysteme komplett ablösen, die zurzeit noch einen grenzüberschreitenden innereuropäischen Verkehr behindern. Die beiden Neubaustrecken Ebensfeld-Erfurt und Erfurt-Halle/Leipzig werden mit dem modernsten System der Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet. Hier wird die neueste Version des Europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS (die so genannte baseline 3) eingeführt.

Siehe auch: SPFV auch in der Fläche gewährleisten

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