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Controlling auch im Infrastrukturbereich

26.06.17 (Kommentar, NVR, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Kaputte oder stinkende Aufzüge; Bahnhofsuhren, die über Monate kaputt sind und nicht repariert werden. Rolltreppen, die nie funktionieren und ein Ambiente, das das Klischee schlechter Krimis ins echte Leben holt: All das gab es bei der alten Behördenbahn, aber auch weit darüber hinaus. Es dauerte eben etwas, bis die Ex-Bundesbahn, hier in Form von DB Station und Service, sich von einer Monopolbehörde in ein Marktunternehmen transformiert hat.

Das war nicht mit dem Glockenschlag 1. Januar 1994 möglich. Aber: Die Qualitätsberichte, die viele Aufgabenträger in den letzten Jahren vermehrt auch über die Zugangsstationen erstellen, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Selbst wenn man nicht die Option der Pönalisierung hat, so ist es doch möglich, durch beständige Kontrolle und Öffentlichmachung der Situation politischen Druck aufzubauen und dafür zu sorgen, dass das Engagement auf einmal eben doch besser wird.

Was vor ein paar Jahren noch undenkbar war, ist heute Realität: Kurze Wege, um Störungen zu melden. Der Verkehrsverbund bietet umfassende Kontaktmöglichkeiten an, für den Fall dass etwas kaputt ist – die Meldung wird kurzfristig weitergeleitet und der Schaden behoben. Vor ein paar Jahren wäre so eine Forderung noch als unsachliche Polemik abgetan worden; erhoben von Leuten, die natürlich keine Ahnung von der viel zitierten Komplexität des Eisenbahnbetriebs haben.

Wie der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn in so einer Situation zu sagen pflegte: „Das sind alles Leute, die eine Modelleisenbahn im Keller haben und jetzt glauben, sie könnten uns sagen, was zu tun ist.“ Aber inzwischen wissen wir: Es lässt sich einiges verbessern. Entscheidend ist dafür aber nicht oder nicht nur die Einsicht bei DB Station und Service, sondern auch die beharrliche Arbeit der Aufgabenträger.

Die Forderung, die der Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel schon vor Jahren aufgestellt hat, ist dennoch richtig: So wie Schlechtleistungen im Verkehr pönalisiert werden, muss das auch bei der Infrastruktur der Fall sein. Ist die Rolltreppe kaputt, zahlt jeder Zug ein gekürztes Stationsentgelt. Das gilt auch für defekte Bahnhofsuhren, Aufzüge und vieles mehr – eben alles, was an den Stationen so ist.

Da man den Betrieb der Infrastruktur – anders als den des Verkehrs – nicht einfach so zwischen verschiedenen Bewerbern ausschreiben kann, wäre es hier Sache der Bundesnetzagentur, im Rahmen von Kalkulationsprüfungen der Entgelte auch mögliche Pönalisierungsraten festzulegen – und fortzuschreiben. Wenn also eine Rolltreppe über Monate kaputt ist und trotz gesunkener Entgelte nichts passiert, muss eben mehr Geld gekürzt werden. Das muss bis zur Möglichkeit einer für den Infrastrukturbetreiber kostenpflichtigen Ersatzvornahme gehen.

Denn nur so ist Qualität und Leistung gewährleistet. Dass es aber dennoch überhaupt ein Bewusstsein dafür gibt, ist der Arbeit vieler guter Aufgabenträger zu verdanken. Man braucht nicht nur öffentliche Gelder für ein qualitativ hochwertiges Angebot, es muss auch ein angemessenes Controlling geben, um Qualität und Leistung sicherzustellen. Mit den Stationsberichten vieler Aufgabenträger ist hier ein guter Anfang gemacht.

Siehe auch: NVR legt Stationsbericht vor

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