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UK: Freiheitsstrafen für Fahrgastrechte-Betrüger

11.04.17 (Großbritannien) Autor:Max Yang

Wie die britische Transportpolizei (BTP) Ende letzter Woche mitteilte, wurden vier Personen wegen der betrügerischen Inanspruchnahme von Fahrgastrechten vom Strafgericht (Crown Court) London-Blackfriars zu Freiheitsstrafen verurteilt. Die Gruppe, bestehend aus drei Männern und einer Frau, soll über einen Zeitraum von fünf Jahren Entschädigungen im Wert von 98.007,80 britischen Pfund (ca. 115.000 Euro) von Eisenbahnverkehrsunternehmen unberechtigt beantragt haben. Die Verurteilung erfolgte infolge zweijähriger Ermittlungsarbeiten der BTP unter dem Titel „Operation Action“.

Der ermittelnde Kriminalpolizist Nick Thompson erklärte: „Diese Gruppe Menschen machte Geld, indem sie das ‚Delay Repay‘-Entschädigungsprogramm der Eisenbahnverkehrsunternehmen ausnutzte, welches geschaffen wurde, um ehrliche fahrkartenkaufende Reisende zu entschädigen, die Aufwand durch verspätete Züge hatten.“ So habe die Gruppe über 120 erfundene Namen und 60 Adressen genutzt, um missbräuchlich Fahrgastrechte geltend zu machen. Abiodun B. (54) aus London war „Kopf der Bande“, erstellte die Anträge und war für den Kontakt mit den Verkehrsunternehmen zuständig, während die anderen Beteiligten ihre Hausadressen zur Nutzung bereitstellten sowie die Nutzung weiterer Adressen arrangierten.

Den Anträgen wurden teils dilettantisch gefälschte Quittungen, falsche Kontoauszüge sowie betrügerisch beschaffte Fahrkarten beigelegt. Von 350 Anträgen wurden 171 akzeptiert. Insgesamt konnte die Gruppe Gutscheine und Schecks mit dem Gesamtbetrag von 54.922,45 britischen Pfund (ca. 64.000 Euro) ergaunern. Die Schecks wurden, obwohl auf fremden Namen lautend, eingelöst, die Gutscheine unter der Hand weiterverkauft oder zum Kauf von Zeitkarten verwendet.

Letztlich flog die Gruppe auf, weil Mitarbeiter der Verkehrsunternehmen angesichts des hohen Volumens der Anträge mit unterschiedlichen Namen, aber der gleichen Handschrift Verdacht schöpften. Abiodun B. wurde unter polizeiliche Überwachung gestellt, während der er weiter betrügerische Anträge nach dem selben Muster stellte. Abiodun B. sowie sein Freund Jeffrey O. (55), ebenfalls aus London, waren frühere Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens Southern und gaben sich zur Tatzeit Spitznamen wie „Mr Hull Trains“ oder „Mr Great Western Train Robber“.

B. wird wegen Betruges, Geldwäsche, Hehlerei und Urkundenfälschung die nächsten vier Jahre im Gefängnis verbringen, O. zwei Jahre. Elizabeth H. (46) aus Coventry wurde wegen Betruges und Geldwäsche zu 9 Monaten Freiheitsstrafe, für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt, sowie 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. George Omole W. (58) aus Harlow (Essex) wurde wegen Betruges, Geldwäsche und Urkundenfälschung zu 15 Monaten Freiheitsstrafe, welche für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt wird, und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

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