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Exportware vorführen

13.04.17 (Allgemein, Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Deutschland braucht nicht nur eine starke eigene Eisenbahn- und Schienensparte, sondern hier werden auch Technologien in alle Welt exportiert. Ob in Fernost, im Orient, den GUS-Staaten, Nord- oder Südamerika: Wo immer in Megastädten der schienengebundene Verkehr ausgebaut wird, liegt auch für die deutsche Bahnindustrie eine Chance, die es zu nutzen gilt.

Die Vereinigten Staaten mögen ein Truckerland sein, aber Tatsache ist, dass der Güterverkehr einen Anteil am Modal Split hat, von dem deutsche Schiene nur profitieren kann. Entsprechend ist bei den dortigen Eisenbahnunternehmen das Investitionsvolumen hoch und hiesige Unternehmen können davon profitieren. Und zwar auch dann, wenn man wegen des Buy-America-Acts viele Dinge auf der anderen Seite des großen Teiches montieren muss.

Aber warum auch nicht? Was spricht denn dagegen, wenn leistungsfähige Diesellokomotiven für gigantische Güterzüge auf deutschen Reißbrettern entstehen und dann in Sacramento oder an anderen Standorten gebaut werden? Es gibt also einen inländischen und einen ausländischen Markt und haben diese beiden miteinander zu tun? Durchaus haben sie das! Es ist Aufgabe der deutschen Politik sicherzustellen, dass die hiesige Industrie der Welt zeigen kann: Hier bei uns in Deutschland funktioniert die Technologie, die wir exportieren wollen.

Ob das elektronische Stellwerke sind, moderne Zugsicherungssysteme oder um bei einem ganz pompösen Beispiel zu bleiben: Der Export von Hochgeschwindigkeitszügen. Die Neubaustrecke von Köln nach Frankfurt ist ein Paradebeispiel dafür. Deutschland zeigt der Welt hier: Unser ICE 3, unser Siemens-Velaro ist in der Lage, auf einer Achterbahn mit hohen Geschwindigkeiten zu fahren. Diese Strecke, die alle möglichen Merkmale aufweist, die man bei einer Ertüchtigung an und für sich abbaut, ist auch ein Affront gegen die französische Konkurrenz.

Denn dass der Thalys zwar bis Köln fahren kann oder vielleicht auch bis Dortmund, nicht aber auf die Neubaustrecke ist die beste Werbung, die man für deutsche Produkte machen kann. Auch mit dem Hinweis, dass der französische Zug, der ebenso in die Welt exportiert werden kann, den Anforderungen im Westerwald nicht gewachsen ist. Und so muss man sich in Deutschland die hohen Potentiale, die andere Märkte bieten, zunutze machen.

Entsprechend muss die deutsche Eisenbahn eine der modernsten der Welt sein, der Inbegriff für Fortschritt und deutsche Ingenieurskunst – so wie in ihren Anfangstagen. So romantisch einzelne Schrankenposten ja sein mögen, aber der flächendeckende ESTW-Aufbau ist im Sinne einer effizienten Eisenbahn ohnehin notwendig.

Klar kann man sich Gedanken um die Frage machen, ob man hocheffiziente Stellwerke mit Spurplan-Drucktaste-Technologie nicht doch noch ein paar Jahre länger in Betrieb halten will, aber das Ziel muss klar sein: Nicht klotzen, sondern kleckern. Deutschland ist ein Hochleistungsland und dafür braucht man eine entsprechende Infrastruktur. Die 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts sind vorbei, heute ist das beste gerade gut genug für uns!

Siehe auch: Bahnindustrie ist zufrieden mit 2016

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